„Nadelöhr“ Risikokapital

Prof. Dr. Christian Keuschnigg referierte im Weis[s]en Salon darüber, wie heimische Start-ups zu mehr Wagniskapital kommen könnten

Die Weis[s]e Wirtschaft und das Wirtschaftspolitische Zentrum Wien St. Gallen baten am 28. Juni 2018 in den Weis[s]en Salon. Das Thema der Veranstaltung in der Conference Area von Binder Grösswang Rechtsanwälte GmbH lautete „Risikokapital – Marktwirtschaftlich organisiert oder staatlich gefördert?“, Prof. Dr. Christian Keuschnigg von der Universität St. Gallen hielt die Keynote.

Start-ups: innovativ, aber riskant
Keuschnigg unterstrich zunächst, dass vor allem innovative Unternehmen, im besonderen Start-ups, dringend auf Risikokapital angewiesen sind. Immerhin scheitert jedes zweite von ihnen in den ersten vier Jahren, daher kommt man hier mit Bankkrediten nicht weit. Junge Wachstumsunternehmen brauchen einerseits Eigenkapital, andererseits auch unternehmerische Erfahrung und Netzwerke. Wagniskapitalgeber können diesen kleinen, innovativen Firmen genau das geben und ihnen so zu einem kräftigen Wachstumssprung verhelfen, betonte der Nationalökonom. Leider zählt Österreich im internationalen Vergleich beim Wagniskapital in Relation zum BIP seit Jahren zu den Schlusslichtern. „Der Mangel an Risikokapital ist das Nadelöhr der heimischen Innovationspolitik“, meint Keuschnigg.

Mehrpunkteprogramm nötig
Um mehr Wagniskapital für Österreichs Firmen zu generieren, sollte man nach Ansicht von Keuschnigg an mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen: Man müsste innovatives Unternehmertum stärken, den Steuernachteil von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital beseitigen, einiges bei Investorenschutz und Kapitalmarktrecht verändern, Börse und Kapitalmarkt, die für den späteren Ausstieg von Risikokapitalinvestoren unverzichtbar sind, stärken und auch öffentliches Risikokapital bereitstellen, etwa über die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), um selbsttragende private Wagniskapitalfinanzierung anzustoßen, die allerdings wettbewerbsneutral sein sollte.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Thomas Jud, convelop – cooperative knowledge design gmbh, moderiert. Die Teilnehmer – Dr. Rudolf Kinsky, geschäftsführender Präsident der Austrian Private Equity und Venture Capital Organisation (AVCO), Dr. Sabine Kirchmayr-Schliesselberger, Universitätsprofessorin für Finanzrecht an der Uni Wien, Ing. Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer aws, sowie Mag. Peter Voithofer, Institutsleiter, KMU Forschung Austria, diskutierten angeregt über Keuschniggs Referat und brachten auch eigene Vorschläge zum Thema Risikokapital ein. Wesentlich wäre – wie auch im Regierungsprogramm vorgesehen – die Schaffung geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen (Fondsstrukturen) für das Risikokapitalgeschäft (Private Equity & Venture Capital). Die im Beihilfenrecht als Kapitalgesellschaft verankerte Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft gemäß MIFIGG 2017 wurde – wie schon die Vorgängerregelung – als nicht geeignete Fondsstruktur eingeschätzt.

Mehr zur Veranstaltung (Video der Keynote, Unterlagen) unter https://www.weissewirtschaft.at/risikokapital-marktwirtschaftlich-organisiert-oder-staatlich-gefoerdert/

Autoren: Mag. Peter Brandner / Dr. Brigitta Schwarzer

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