8. Österreichischer Aufsichtsratstag am 01.03.2018 (2. Teil)

111 Fotocredit: Frau Prof. Dr. Sutter-Rüdisser auf dem 8. ÖART

Dr. Nadine Mänz, 23.03.2018

Prof. Dr. Michèle F. Sutter-Rüdisser ist Assistenzprofessorin für Organizational Control und Governance an der Universität St. Gallen. Zudem ist sie Vizedirektorin am Institut für Accounting, Controlling und Auditing sowie ständige Gastprofessorin an der School of Management der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand. Sie ist Mitglied des Verwaltungsrats der Spital Thurgau AG, der Büchi Labortechnik AG und der Privatbank IHAG AG.

Der Vortrag begann mit der Aufstellung der unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrates. Es sind insgesamt sieben Aufgaben, unter anderem die Erstellung des Geschäftsberichtes sowie die Vorbereitung der Generalversammlung und die Ausführung der Beschlüsse.

Der Verwaltungsrat ist die Steuerung und Kontrolle (Control) nicht nur des Senior Managements und der internen Revision, sondern muss dabei stetig auch die Finanzen, die Sicherheit, das Risikomanagement, die Qualität, die Überprüfung und die Verantwortlichkeiten im Griff haben. Schließlich gibt es da auch noch Regulatorien und die externe Revision, denen sich der Verwaltungsrat stellen und verantworten muss.

Gerade deswegen muss sich das Board zunehmend neuen Herausforderungen stellen. Aufgrund bspw. erweiterter Stakeholder-Orientierung nimmt die Verantwortlichkeit zu. Durch größere, weltwirtschaftliche Interdependenzen steigt das Komplexitätsniveau. Andererseits nimmt die verfügbare Zeit durch weitere Beschäftigungen und Teilzeitmandate ab. Der Informationsüberfluss steigt, es fehlen aber die griffigen Qualitätsinformationen. Wie Frau Prof. Dr. Sutter-Rüdisser in ihrem Vortrag sagte: „Ich möchte keinen 300-seitigen KEY Risk Report in Papierform in die Hände gedrückt bekommen. Ich möchte 30 Seiten und die auch nicht gedruckt. Doch das geht! Ich möchte heutzutage Zugang zu Echtzeitinformationen haben. Weniger ist einfach mehr!“ (frei zitiert)

Aber wie sie auf Schwyzerdütsch sagt: „Wir sind nüt parat!“ Das Board ist noch nicht in der digitalen Transformation angekommen.

Auf einer ihrer nächsten Folien wurde die Arbeit eines Verwaltungsrats in einem Kalenderjahr symbolisch verdeutlicht. Es sind nicht nur vierteljährliche und halbtägige Termine, sondern auch Workshops und die Generalversammlung, die anfallen. Aber damit ist es lange nicht getan. Es sind die Vor- und Nachbereitungen und selbstverständlich die anhaltenden Aufgaben. Die Jahresübersicht sah mit Termineinträgen vollgestopft aus. Und daneben haben Mitglieder des Verwaltungsrats häufig weitere Mandate und/oder selber einen Payroll-Job.

Das Board ist der Treiber für die Transformation. Neben ausgeprägten Verhaltensweisen wie Kontrolle, Vertraulichkeit, Innensicht und Sicherheitsorientierung und vielen mehr müssen gewisse Verhaltensweisen besonders gestärkt werden wie Vertrauen, Transparenz, Außenperspektive, Konfliktfähigkeit, Eigenverantwortung und Risikobereitschaft.

Im Prinzip gelingt die Transformation besser durch Authentizität (auch Neinsagen gehört dazu), durch Handlungsgeschwindigkeit (aber mit Bedacht), durch Erwartungsmanagement (disruptiv und inkrementell), durch digital THINKING und durch die richtige Nachfolgebesetzung im Verwaltungsrat.

Bei den anschließenden Fragestellungen wurde klar, dass der Verwaltungsrat im Allgemeinen noch nicht in der Transformation angekommen ist. Frau Prof. Dr. Sutter-Rüdisser machte noch einmal darauf aufmerksam, dass im digitalen Zeitalter der Verwaltungsrat Zugriff auf Echtzeit-Informationen haben muss und Unterlagen per Post zu verschicken nicht zeitgemäß ist und einfach nicht mehr passieren dürfte.

Vielen Dank für den anregenden Vortrag, Frau Prof. Dr. Sutter-Rüdisser, bei dem man sah, dass auch mit acht Folien zu einem Thema alles gesagt werden kann.