Fazit des FidAR-Forum VIII – Eine Veranstaltung von FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V. mit Sitz in Berlin

Fazit des FidAR-Forum VIII – Eine Veranstaltung von FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V. mit Sitz in Berlin

Last Updated on 2019-02-07

 

Dr. llse Ennsfellner, CSE und Dr. Helga Hartl, CSE

“Women on Board – Boarding in Europe” lautete das Motto des FidAR-Forum VIII am 7. Juli 2016 im Tagungswerk Jerusalemkirche in Berlin. Es trafen sich gut 360 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Fotocredit: Hans Erich Riedl, Ennsfellner Consulting e.U.

In ihrer Eröffnungsrede wies die FidAR-Präsidentin, Diplom-Politologin Monika Schulz-Strelow darauf hin, dass von Juni 2015 bis Juni 2016 bei den 160 Unternehmen der DAX-Familie in Deutschland der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten von 18,9 auf 25,5 Prozent gestiegen sei. Dennoch sind Frauen in den Ausschüssen der Aufsichtsräte unterrepräsentiert. Der Präsidialausschuss, der machtvollste Ausschuss, verzeichnete mit 13,4 Prozent den geringsten Frauenanteil und im Nominierungsausschuss ist es mit 14,8 Prozent ähnlich. „Die Frauen müssen in den Aufsichtsräten dorthin, wo entschieden wird“, forderte Schulz-Strelow. Nur aus diesen Positionen heraus könnten sie die Veränderungen der Unternehmenskultur mit beeinflussen.

Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bekräftigte, dass die feste 30-Prozent-Quote für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen Wirkung zeige. „Frauen werden angesprochen, das Thema sei in Aufsichtsräten präsent“, so die Ministerin. Darüber hinaus müssen Zielgrößen für Aufsichtsräte, Vorstand und die zwei obersten Managementebenen, die börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen betreffen, bis zum 30. Juni 2017 umgesetzt werden. Strukturelle und familienpolitische Maßnahmen sollen dafür Unterstützung bieten.

Das Forum hat auch einen Blick über die Grenzen gegeben. FidAR ist Mitglied des europäischen Netzwerkes EWoB – European Women on Boards. EWoB vereint Akteure aus neun europäischen Ländern, die das Thema Frauen in Führungspositionen im jeweiligen Land voranbringen. Im europäischen Vergleich befinde sich Deutschland im Mittelfeld, stellte Schulz-Strelow fest. Norwegen, Finnland und Belgien, Frankreich, Italien und Spanien hätten mit gesetzlichen Maßnahmen schon viel früher für mehr Frauen in Führungspositionen gesorgt.

Cécile Coune, Co-Chairwoman European Women on Boards (EWoB), erläuterte u.a. den vom Europäischen Rat verabschiedeten Pakt für Geschlechtergerechtigkeit (2011 bis 2020). Die Mitgliedsstaaten seien aufgefordert, Aktionen zur gleichen Teilhabe von Männern und Frauen auf allen Ebenen und in allen Bereichen durchzuführen. Ritva Koukku-Ronde, Finnlands Botschafterin in Deutschland, erklärte, dass sich die Quote im öffentlichen Bereich bewährt habe. 42 Prozent der Aufsichtsratsposten von Unternehmen, in denen der Staat die Mehrheit habe, seien von Frauen besetzt, insgesamt seien es jedoch nur 25 Prozent. Auch Finnland brauche strukturelle Maßnahmen, um die Situation zu verbessern.

Turid Solvang, Managing Director of the Norwegian Institute of Directors, berichtete über den Erfolg des Quotengesetzes, das in Norwegen vor acht Jahren eingeführt hat – als eines der ersten Länder. Effektiv und weitgehend akzeptiert bringe es neue Talente, Fähigkeiten und Perspektiven in die Führungsetagen.

Christiane Neumayer, Immediate Past Chair 2020 Women on Boards New York Campaign Committee, gab einen Lagebericht zur Situation in den USA. Es gäbe eine ganze Reihe von Investmentfonds und Interessensverbänden, die den Frauenanteil in Führungspositionen voranbringen. Der 2020 WoB, im November 2010 gegründet, definiert 20 Prozent Frauen im Aufsichtsrat als Mindestgröße. Die Gesetzgebung ziehe mit Transparenzinitiativen nach, es gebe Initiativen in einigen Bundesstaaten.

Diskutiert über die Quote wurde auch auf dem Podium mit Dr. Christine Abel, Groupdirector Performance & Rewards, METRO AG; Julia Despina Dormaar, Head of Talent Development, Ernst & Young GmbH; Fabian Kienbaum, Geschäftsführender Gesellschafter, Kienbaum Consultants GmbH; Ulrich Köster, Group Direktor, Corporate Talent Management, Leadership & Change, METRO AG; Tina Müller, Chief Marketing Officer and Member of the Management Board, Opel Group GmbH. Die einhellige Meinung war, dass für eine Genderbalance die Quote wichtig, aber nicht alleine erfolgsbestimmend ist. Vielmehr benötigen Frauen aktive Netzwerke. In diesen sollen sich Frauen gegenseitig fördern und auch die Medien durch eine neutrale Berichterstattung ihren Beitrag leisten.

Weitere Highlights: Die Recruiting-Lounge mit über 140 Speedmeetings an 14 Stationen. Neu in diesem Jahr waren die Themenräume mit Workshops zu Haftungs- und Praxisfragen für Aufsichtsrätinnen.

Dr. Ilse Ennsfellner, CSE und Dr. Helga Hartl, CSE waren zu diesem Forum eingeladen. Wir bedanken uns bei Frau Präsidentin Schulz-Strelow und ihrem Team sehr herzlich.

Fazit:

Besonders wertvoll beim FidAR-Forum waren die internationalen Lage- und Erfahrungsberichte sowie die Möglichkeiten zum Networking. Wir konnten FidAR näher kennenlernen und das Netzwerk zu INARA intensivieren – in Ergänzung zum incite Lehrgang „Aufsichtsrat“ und der Zertifizierung zum CSE „Certified Supervisory Expert“, die wir beide im Frühjahr absolviert haben.

Anfang September war FidAR-Präsidentin Schulz-Strelow in Wien und ist uns für ein persönliches Treffen zur Verfügung gestanden. Wir werden mit FidAR in Verbindung bleiben und einen weiteren Gedanken- und Erfahrungsaustausch zum Thema pflegen.