Interview: „Ich spiele was ich kann. Und nicht mehr.“

Interview: „Ich spiele was ich kann. Und nicht mehr.“

Last Updated on 2019-02-06

 

INARA: Welche Funktionen haben Sie bei Berndorf und Schoeller-Bleckmann Oilfield? Und in welcher Form sind Sie bei Stiftungen engagiert?
Mag. Norbert Zimmermann: Bei Berndorf und Schoeller Bleckmann Oilfield bin ich jeweils Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender. Weiters bin ich mehrfacher Stifter sowie Stiftungsvorstand, darunter auch der überwiegend gemeinnützig tätigen Berndorf Privatstiftung. Seit Ende der 90er-Jahre investiere ich in Start-ups und stehe den Jungunternehmern mit meiner langjährigen Erfahrung auch beratend zur Seite.

Fotocredit: Berndorf AG

INARA: Worauf sind Sie besonders stolz?
Zimmermann: Ich war schon in der Jugend neugierig und wollte etwas bewegen. Prägend für mich war sicher der Management-Buy-out von Berndorf im Jahr 1988. Das war wirklich ein unternehmerisches Wagnis. Ich bin stolz darauf, dass ich damals den Mut besaß, diese Übernahme, die ja eine enorme Dimension hatte, durchzuziehen. Wenn ich heute junge Unternehmensgründer berate, dann sage ich ihnen immer: Die Idee und die Leidenschaft sind das eine, aber ohne ökonomisches Fundament geht es nicht. Ich habe diese beiden Seiten immer gut verbinden können.

INARA: Ihre Stiftungsfunktionen sind mit viel Arbeit verbunden. Wird es manchmal auch zu viel?
Zimmermann: Burnout ist keine Erscheinung der jüngeren Zeit. Das hat es immer gegeben – Überarbeitung, Erschöpfung, zu wenig Privatleben. Jeder, der viel arbeitet und Verantwortung trägt, hat Phasen, in denen ihm alles zu viel ist. Mir hat meine Arbeit immer auch viel Freude bereitet und ich versuche, allen Menschen in meinem Umfeld auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen. Erfolg beanspruche ich nie für mich allein. Dadurch habe ich mir viel an Anspannung und Anstrengung erspart und konnte meine Ausgeglichenheit bewahren.

INARA: Agieren Sie als Aufsichtsrat der Berndorf AG anders als als Vorstand der Berndorf Privatstiftung?
Zimmermann: In meiner Aufsichtsratsfunktion begleite ich die Entwicklung der Unternehmensstrategie und bin eine zusätzliche Instanz für die Rechnungslegung, das Risikomanagement und das interne Kontrollsystem. Als Vorstand der Stiftung bin ich bemüht, den Willen des Stifters zu erfüllen. Das umfasst das Sponsoring von Wettbewerben zur Stärkung der Innovationskraft innerhalb der Berndorf Gruppe und die Förderung des Bildungszugangs und der universitären Forschung außerhalb des Unternehmens.

Eine Stiftung kann nicht alles unterstützen, auch dann nicht, wenn sie gemeinnützig ist. Für die Auswahl der Projekte haben wir einen Kriterienkatalog erstellt und wir prüfen sehr sorgfältig, ob sich die Mittel, die wir zur Verfügung stellen, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nach unseren Kriterien „rechnen werden“. Ein Vorhaben kommt nur dann in die engere Wahl, wenn es im Vorfeld einen tauglichen Business Plan gibt und wir Vertrauen in das Projektmanagement haben. Der einzige Unterschied zu einem gewinnorientierten Geschäft ist die fehlende finanzielle Rendite.

Um Ihre Frage kurz zu beantworten: Mein Handeln ist in beiden Fällen von den gleichen Grundsätzen geprägt. Da mache ich keinen Unterschied zwischen der AG und der Stiftung.

INARA: Profitiert die Berndorf Privatstiftung vom neuen Gemeinnützigkeitsgesetz?
Zimmermann: Das stimmt, sowohl die Spendenabzugsfähigkeit als auch die Aufnahme von Bildungseinrichtungen in den Kreis der begünstigten Spendenempfänger kommen uns zugute. Dadurch kann die Stiftung ihren Wirkungsradius vergrößern. Das ist ein guter erster Schritt, aber sehr große Sprünge können wir damit noch nicht machen. Hier bedarf es weiterer Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Was ich mir seit langem wünsche sind steuerliche Erleichterungen für die Finanzierung von Startups. Wie wir alle wissen geht es dabei um hochriskante Investments und man setzt schon sehr viel aufs Spiel, wenn man privates Geld dafür aufbringt. Auch einige meiner Startup-Projekte waren Flops. Ich bin überzeugt, dass in diesem Bereich weitaus mehr Kapital zur Verfügung gestellt würde, wenn es eine entsprechende steuerliche Abzugsfähigkeit gäbe. Das brächte Arbeitsplätze und der Wirtschaftsstandort Österreich könnte dadurch generell an Attraktivität gewinnen.

INARA: Sind Sie mit dem Privatstiftungsgesetz zufrieden?
Zimmermann: Ganz und gar nicht, sondern vielmehr sehr besorgt. Die Ansätze im Jahr 1993 waren gut, nach insgesamt 14 Runden steuerlicher Verschlechterungen ist von der Substanz aber nicht mehr viel übrig geblieben. Ich habe die Unternehmensstiftung gegründet, weil damals nicht klar war, welchen beruflichen Weg meine Tochter Sonja einmal einschlagen wird. Jetzt ist die Tür zu – und ich komme aus der Stiftung nicht mehr heraus. Die hohe KESt-Belastung, die bei einem Ausstieg anfällt, würde den Fortbestand der ganzen Unternehmensgruppe gefährden.

Ich verstehe ja, dass der Gesetzgeber nicht 100 Jahre – das ist der zeitliche Horizont einer Stiftung – im Voraus denken kann. Aber das Privatstiftungsgesetz hat sich schon nach 20 Jahren überlebt und die Auswirkungen dieser Entwicklung werden sich bald zeigen. Sowohl die Stifter als auch die Stiftungsvorstände kommen langsam in die Jahre und wenn der Zusammenhalt unter ihnen einmal nicht mehr gegeben ist, dann wird es im Umgang zwischen Stiftungsvorständen und Begünstigten gravierende Probleme geben. Dies vor allem dann, wenn Stiftungsvorstände auch eigene Machtinteressen verfolgen.

INARA: Wo sehen Sie konkreten Änderungsbedarf?
Zimmermann: Ich appelliere an den Gesetzgeber, den Begünstigten mehr Durchgriffsrechte zuzugestehen. Auch beim Änderungsrecht müsste man großzügiger sein.

Was wir aber vor allem brauchen ist eine positivere Wahrnehmung der Stiftungen. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn laut darüber nachgedacht wird, wie man Substiftungen in Liechtenstein gründen oder Firmenbeteiligungen ins Ausland verlegen kann. Ich war bis jetzt immer Patriot, aber es wird zunehmend schwerer, bei dieser Haltung zu bleiben.

INARA: Sie haben den Ruf, ein begnadeter Netzwerker zu sein…
Zimmermann: Mein Netzwerk ist keines im herkömmlichen Sinn. Ich setze weniger auf Clubs und Verbindungen, sondern eher auf persönliche Freundschaften. So haben sich aus beruflichen Kontakten enge Verbindungen ergeben und aus privaten Bekanntschaften wurden geschäftliche Beziehungen. Es fällt mir leicht, auf Leute zuzugehen und so wird der Kreis meiner Wegbegleiter immer größer. Zuneigung, Verbundenheit und Vertrautheit entstehen nicht von heute auf morgen, sondern entwickeln sich im Zeitverlauf. Mein Netzwerk funktioniert deswegen gut, weil meine Freunde und ich die gleichen Werte vertreten.

INARA: Zu gutem Management gehört bei Ihnen auch guter Jazz?
Zimmermann: Die „Swinging Leaders“ gibt es seit 2004, sie bestehen aus fünf jazzbegeisterten Unternehmern und Managern plus zwei Profimusikern. Wir treten regelmäßig bei Charity-Veranstaltungen auf. Ich sehe bei Unternehmensführung und Musik viel Gemeinsames. Es braucht ein Ziel und einen Plan, Präzision und Ausdauer und viel Teamgeist. Aber Fantasie und Kreativität sowie die Fähigkeit zu improvisieren dürfen auch nicht fehlen.

Mein Lebensmotto lautet: „Ich spiele was ich kann. Und nicht mehr.“ Das gilt gleichermaßen für das Unternehmertum, für das Management und für den Jazz.

Das Interview führte: Dr. Brigitta Schwarzer, MBA

Mehr zu Berndorf: www.berndorf.at; mehr zu Schoeller-Bleckmann Oilfield: www.sbo.at; mehr zu den Swinging Leaders: www.swingingleaders.at