Abbruchreife Gesetze: Wie das Kulturerbe in Wien vernichtet wird

Abbruchreife Gesetze: Wie das Kulturerbe in Wien vernichtet wird

Last Updated on 2023-01-13

Laufend werden historische Gebäude demoliert. Die Stadtregierung hat einen Kurswechsel versprochen. Aber kommt der tatsächlich?

Im Gastblog schildert Georg Scherer den Umgang mit dem architektonischen Erbe in der Bundeshauptstadt.

In diesem Blog habe ich schon mehrfach über Abrisse in Wien berichtet. Dass es nun wieder darum geht, zeigt die Virulenz des Problems, denn die Abrisswelle rollt ungebremst weiter. Befeuert wird das durch einen lückenhaften Abriss-Schutz und viel zu geringe Sanierungsförderungen. Während sonst allerorts auf sorgsamen Umgang mit Ressourcen gepocht wird, ist der Erhalt und sanfte Weiterbau des Häuserbestandes politisch kaum im Fokus. Aber erst einmal alles der Reihe nach.

Laissez-faire im Roten Wien

“Historisches Gebäude in Paris abgerissen!” “Zentrum von Prag wird rücksichtslos demoliert!” “Laufend neue Abrisse in Salzburg-Stadt!” – Keine Sorge, diese Schlagzeilen sind erfunden. Werden die Namen dieser Städte aber durch “Wien” ersetzt, kommt das dem Alltag hiesiger Denkmalschützer und Denkmalschützerinnen schon näher. Einer der umtriebigsten ist Markus Landerer, Vorstand der Initiative Denkmalschutz. Seit über zwanzig Jahren beobachtet Landerer das Geschehen in Wien und ganz Österreich, warnt vor Zerstörungen und fordert Reformen. Sein Debüt hatte er in der Debatte um den Abriss des sogenannten Kai-Palasts im ersten Bezirk. Das prachtvolle Gebäude am Franz-Josefs-Kai war der erste Stahlbetonbau Österreichs. Der Abbruch erfolgte wegen angeblicher statischer Mängel – trotz Ortsbild-Schutzzone. Die sogenannte “Abbruchreife”, die dabei schlagend wurde, ist eine Bestimmung im Wiener Baurecht, mit der Investoren und Investorinnen bis heute fast alle Schutzmaßnahmen legal umgehen können.

Mehr dazu / ganzer Blog: https://www.derstandard.at/story/2000142290625/abbruchreife-gesetze-wie-das-kulturerbe-in-wien-vernichtet-wird