BMÖ-Umfrage unter Einkaufsmanagern: Risiken steigen stark

BMÖ-Umfrage unter Einkaufsmanagern: Risiken steigen stark

Last Updated on 2020-04-19

Laut einer Umfrage des österreichischen Einkäuferverbands BMÖ melden über 60 Prozent der heimischen Unternehmen Störungen in ihren Lieferketten. Die große Mehrheit der Befragten erwartet Umsatzrückgänge, die zum Teil sehr stark sein werden. Hier die Eckdaten, wie die Materialwirtschaft darauf reagiert.

Laut einer Umfrage des österreichischen Fachverbands BMÖ erwarten 82 Prozent der heimischen Unternehmen für heuer Umsatzrückgänge, teilweise um bis zu 30 Prozent und mehr. Über 60 Prozent melden Störungen in ihren Lieferketten und eine unsichere Versorgungslage.

Bei knapp 60 Prozent ist die Nachfrage nach Produkten gestört oder unsicher, bei 15 Prozent ist diese komplett eingebrochen. Jedes zweite Unternehmen rechnet mit weiteren Störungen in den kommenden drei Monaten. Bei elf Prozent sind die Lieferketten komplett unterbrochen.

74 Manager aus Österreich und Deutschland befragt

In der Umfrage hat der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) Manager im Einkauf und in der Organisation der Lieferketten nach ihren Einschätzungen befragt. An der Umfrage haben sich 74 Manager aus Österreich und Deutschland beteiligt. An der Erstellung der Ergebnisse waren Stöhr Faktor und International School of Management beteiligt.

Der Umfrage zufolge ist für viele Betriebe die Größe der Auswirkungen noch nicht absehbar. In 65 Prozent der Betriebe sind Mitarbeiter in Kurzarbeit, rund jedes dritte Unternehmen hat die Einstellung neuer Mitarbeiter ausgesetzt.

So reagiert die Materialwirtschaft

Weiters sind derzeit standardisierte Regelwerke im Einkauf ausgesetzt, um schneller handeln zu können. Bei den Maßnahmen in der Krise setzen Firmen am häufigsten auf Bevorratung, gefolgt von Suche nach anderen Lieferanten und Produkten, einer Erhöhung der Bestellmengen, Dual Sourcing sowie In-Sourcing (Eigenfertigung) und beabsichtigtem Ausbau von Regional Sourcing (vs. Global Sourcing).

Auch Risikomanagement wird bei den Maßnahmen genannt. Nach Ansicht der befragten Manager im Einkauf wird die Senkung der Sachkostenin Zukunft wichtiger werden.

Risiken der Liefermärkte ständig im Blick haben

Unter der Rubrik “Erkenntnisse” nennt die Umfrage die Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens als wichtigen Faktor. Zum anderen werde auch interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtiger.

Innerhalb des Einkaufs sei “eine höhere Prozesseffizienz in operativen Arbeitsabläufen durch Digitalisierung erforderlich”, um “Kapazitäten für operatives und strategisches Krisenmanagement für die Nachkrisenzeit” zu  schaffen.

Schließlich gelte es, Risikomanagement anzupassen und sich mit neuen Simulationen auf Gefahren vorzubereiten. Kontinuierliche Risikobewertung der Liefermärkte bleibe auch nach der Krise wichtig, so der Fachverband.

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BMÖ-Chef Heinz Pechek: Einkäufer werden zu Krisenmanagern

Dazu Heinz Pechek, geschäftsführender Vorstand des BMÖ: “Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind für Österreich in besonderem Maße erschwert: Für Österreich, das deutlich mehr als andere Länder von Zulieferungen an die Automobilindustrie abhängig und vom Tourismus geprägt ist, dürfte das Minuswachstum der Wirtschaftsleistung mit größter Wahrscheinlichkeit wesentlich über den bisherigen Expertenschätzungen liegen, nämlich bei minus 20 Prozent und in Teilen sogar mehr. Den Verantwortlichen in Einkauf und Supply Chain Management kommt nicht nur die Aufgabe der Versorgungssicherung und Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit des Unternehmens zu, sondern auch die Rolle des Frühwarnindikators und Krisenmanagers im Unternehmen und in der gesamten Volkswirtschaft. Die Bildung einer ,Task Force Corona‘ im Einkauf ist Gebot des unternehmerischen Risikomanagements. Entscheidende Grundlagen für weitere Maßnahmen der Unternehmen – über den Krisenmodus hinaus – hängen stark von belastbaren Zahlen ab, die vielfach der Einkauf liefert.” (red)

Quelle: https://industriemagazin.at/a/bmoe-umfrage-unter-einkaufsmanagern-risiken-steigen-stark