Corporate Digital Governance

Corporate Digital Governance

Mag. Gerhard Zeiner

Ohne umfassende digitale Strategie sind Unternehmen nicht mehr überlebensfähig. Gefordert sind dabei auch Vorstände und Aufsichtsräte.

Corporate Governance ist bei vielen (nicht nur bösen-notierten) Unternehmen das Leitprinzip für eine erfolgreiche, nachhaltige Steuerung und Kontrolle. Vorstand und Aufsichtsrat sollen mit verantwortungsbewusster, qualifizierter, transparenter und auf den langfristigen Erfolg ausgerichteter Führung bestmögliche Ergebnisse für die Organisation selbst, ihre Eigentümer, aber auch für externe Interessengruppen (Geldgeber, Absatz- und Beschaffungsmärkte, Gesellschaft, Bürger) gewährleisten. Wesentliche Leitlinien sind u.a. Gesetze und Regelwerke, geeignete Kontroll-Strukturen und natürlich state-of-the-art Management-Methoden für die strategische und operative Unternehmensführung. Die immer massiveren Einflüsse der Digitalisierung auf Unternehmen und deren Wettbewerbsfähigkeit ist hier noch kaum ein Thema, sollte es aber sein.

„Der Vorstand stimmt die strategische Ausrichtung des Unternehmens mit dem Aufsichtsrat ab und erörtert mit ihm in regelmäßigen Abständen den Stand der Strategieumsetzung.“ …. „Der Aufsichtsrat überwacht den Vorstand und unterstützt diesen bei der Leitung des Unternehmens, insbesondere bei Entscheidungen von grundlegender Bedeutung.“ (Corporate Governance Kodex Österreich)

Digitalisierung ist definitiv ein solches high-impact Thema von grundlegender Bedeutung. Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit von Unternehmen werden mehr und mehr maßgeblich dadurch entschieden, wie gut Vorstände, Geschäftsführung und Aufsichtsräte ihre Verantwortung für eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung von digitalen Technologien wahrnehmen.

Neue Wertschöpfung durch digitale Technologie

 Es geht bei Corporate Digital Governance aus meiner Sicht natürlich auch um eine Digitalisierung der Kommunikation und Kollaboration, wie sie derzeit durch die Covid-19-Krise massiv notwendig wurde, quasi als Teil des digitalen Fundaments. Vor allem aber geht es um eine strategische Sicht, was durch digitale Technologie an neuer wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung möglich ist.

Der Aufsichtsrat muss sich ein Bild über den Status quo der Corporate Digital Governance machen, initial und regelmäßig: Gibt es eine Digitale Strategie? Ist sie Teil der Business-Strategie? Was sind die wesentlichen Ziele dieser Strategie? Wird mit diesen Zielen die Weiterentwicklung wesentlicher Wettbewerbsfaktoren unterstützt, werden Meilenstein-Innovationen und neues Geschäft verfolgt? Wie wird ihre Umsetzung nachhaltig sichergestellt?

Unternehmen zukunftsfit machen

 Dafür braucht es ein grundlegendes Verständnis für den wirtschaftlichen Nutzen von digitalen Technologien auf Vorstands-, Geschäftsführungsebene und auch in den Kontroll-Organen, wie durch völlig neue Daten-Nutzung innovative Prozesse und neue Geschäftsmodelle unterstützt, wie die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden, wie neues Business digital entstehen kann. Und wie Unternehmen mit Hilfe digitaler Technologien die Kommunikation und Kollaboration mit Kunden, Partnern, Lieferanten und Mitarbeitern auf neue, zukunfts- und krisensichere Fundamente setzen kann.

Das Wissen dafür sollten sich Vertreter eines Kontrollgremiums als essenzielle Erweiterung des Corporate Governance Know-hows und als Entscheidungsgrundlage für die Kontroll-Tätigkeit aneignen. Dieses Grundlagen-Wissen sollte kompakt und unabhängig von technologischen Vorkenntnissen Teil aller Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Informations-Angebote für neue und erfahrene Aufsichts- und Beiräte sein.


@ Privat

Mag. Gerhard Zeiner, Wirtschaftsinformatiker; beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der wirtschaftlich sinnvollen Nutzung von Informationstechnologie. Er hat sich als COO bei SAP Österreich bereits früh engagiert, bei Kunden Innovationen durch neueste digitale Technologien zu initiieren, ist empathischer Vortragender und authentischer Verfechter für „Technology follows Business“, leidenschaftlicher Design-Thinker und Mentor seit 2008. Von 2015 bis 2019 war er ehrenamtlicher Präsident und Mitglied des Beirats des Wirtschaftsforums der Führungskräfte. Sein Credo: „Digitalisierung passiert in jedem Fall, echte Digitale Transformation braucht einen strategischen Ansatz und eine pragmatische Umsetzung!“

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