Das „schwache Geschlecht“ kann mehr

Das „schwache Geschlecht“ kann mehr

Selbstmitleid ist fehl am Platz, Frauen sollten sich viel stärker ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden und auf ihre Stärken stolz sein.

Brigitta Schwarzer

Frau-Sein war früher ein schweres Los: Für das Female Board Pool Netzwerktreffen, das am 23. Jänner 2020 im Steigenberger Hotel Herrenhof in Wien stattfand, habe ich über einige teils sehr skurrile Regeln und Verbote referiert, die für das vermeintlich schwache Geschlecht galten. So durften Mädchen bis zum Jahr 1878 nicht am Gymnasium maturieren, vom Studium an den Universitäten waren sie noch weit länger ausgeschlossen. Lehrerinnen gab es zwar, bei Eheschließung waren diese aber ihren Job los („Lehrerinnenzölibat“). Bis 1910 hatten Arbeitgeber das Recht, ihre Hausgehilfinnen zu züchtigen. Wählen durften Frauen in Österreich erst ab 1918. Und bis zum Jahr 1975 brauchten sie hierzulande die Zustimmung ihres Ehemannes, um einem Beruf auszuüben.

Seither hat sich glückerweise viel geändert: Es gibt weibliche CEOs, Vorstände und Aufsichtsräte, Ministerinnen sind heute eine Normalität, für einige Monate hatte Österreich sogar eine Bundeskanzlerin. Wir Frauen müssen zwar in der Regel noch immer mehr leisten als Männer, um das Gleiche zu erreichen. Und es ist für uns schwerer, Karriere zu machen. Aber wir sollten nicht dauernd jammern, sondern uns darauf besinnen, welche Stärken wir haben, was wir leisten und was wir besser können.

Hier ein paar Argumente, warum in Wahrheit wir Frauen das starke Geschlecht sind:

Wir sind intelligenter: Unser Gehirn mag im Durchschnitt ein paar Gramm weniger wiegen als jenes der Männer. Aber wir haben deutlich mehr Neuronen. Und Genetiker haben herausgefunden, dass auf dem zweiten X-Chromosom der Frau 3,1-mal mehr Intelligenz-Gene liegen als auf dem Y-Chromosom des Mannes.

Wir beherrschen Multitasking besser: Das beweisen nicht nur tausende von Frauen, die tagtäglich Beruf, Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen, sondern auch diverse Studien. So haben die University of Herfordshire, die University of Glasgow und die University of Leeds gemeinsam festgestellt, dass fast jede Frau spielend mehrere Dinge gleichzeitig bewältigen kann, während daran mehr als zwei Drittel der Männer scheitern. Frauen haben offenbar auch eine höhere kognitive Selbstkontrolle.

Wir sind erfolgreicher in Führungspositionen: Das Beratungsunternehmen McKinsey hat errechnet, dass Firmen mit vielen Frauen in der Führungsetage bis zu 35 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften als jene Unternehmen, bei denen ausschließlich männliche Chefs werken. Warum das so ist, haben Wissenschaftler der Norwegian Business School untersucht. Demnach haben Frauen bessere Kommunikationsfähigkeiten, sind offener für Veränderungen, arbeiten gewissenhafter und unterstützen ihre Mitarbeiter stärker.

Wir lesen mehr Bücher: 76 Prozent der Frauen, aber nur 53 Prozent der Männer lesen regelmäßig Bücher.

Wir entschuldigen uns öfter: Eine kanadische Universität hat bei einer Untersuchung festgestellt, dass sich Frauen viel öfter für einen Fehler entschuldigen als Männer. Das macht sie in Konfliktsituationen effektiver und erhöht ihre soziale Kompetenz – beide Faktoren sind wichtige Erfolgsvoraussetzungen.

Wir sind – entgegen gängiger Vorteile! – die besseren Autofahrer: 79 Prozent der Verkehrssünder sind männlich. Männer kommen zwar schneller in eine Parklücke, sie brauchen dafür 16 Sekunden, dafür steht ihr Gefährt dann öfter schief. Wir brauchen im Schnitt 24 Sekunden zum Einparken, dafür steht dann das Auto „wie ein Einser“.

Wir haben andere Hormone als Männer, vor allem weniger Testosteron – deshalb agieren wir überlegter, weniger aggressiv, weniger egoistisch und weniger leichtsinnig.

Wir sind langlebiger: Im Schnitt werden Frauen um fünf Jahre älter als Männer. Neben der genetischen Ausstattung ist dafür auch unser Verhalten entscheidend. Wir agieren überlegter und vorsichtiger, achten mehr auf unsere Gesundheit, ernähren uns bewusster, rauchen weniger und gehen regelmäßiger zu Vorsorgeuntersuchungen.

Wir sind erfolgreicher beim Geldanlegen:  Nach einer US-Studie erzielen Frauen bis zu fünf Prozent mehr Rendite als Männer. Gründe dafür könnte die überlegtere Vorgangsweise und die größere Geduld sein, mit der Frauen an die Geldanlage herangehen.

Und last, but not least haben wir den besseren Gleichgewichtssinn. Oder kennen Sie Männer, die mit High Heels unfallfrei gehen können?