„Deutsche Sprache schwere Sprache“

„Deutsche Sprache schwere Sprache“

Dr. Brigitta Schwarzer, MBA

IT-Fachvokabular kommt Normalverbrauchern meist spanisch vor. Um Missverständnisse zu minimieren, helfen guter Wille auf beiden Seiten, aber auch nützliche IT-Tools.

Nicht nur zwischen Männern und Frauen ist Kommunikation oft schwierig – das geht bei so manchem Paar bis zum Streit oder zur absoluten „Funkstille“ – auch im Wirtschaftsleben hapert es oft am gegenseitigen Verstehen. Das zeigt schon die breite Palette an Büchern über das Thema Kommunikation. Wenn z.B. „sprachgesteuerte“ Menschen mit IT-Experten kommunizieren (müssen), wird es kompliziert. Ob man dabei im Unternehmen aufeinandertrifft, also die Marketing-Abteilung mit der IT zusammenarbeitet, oder etwa ein Anwalt eine IT-Dienstleistung braucht, macht da keinen Unterschied. Beide Seiten verwenden ein völlig unterschiedliches Vokabular und reden daher leicht aneinander vorbei. Missverständnisse sind dann praktisch unvermeidlich, Abhilfe meist schwierig.

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass in der Welt von Bits und Bytes alles im Fluss ist, es immer neue Programme und Tools gibt und dazu noch ständig neue Themen – beispielsweise Computerkriminalität oder verschärfte Datenschutzbestimmungen – auftauchen. Den Überblick zu behalten, ist für Nicht-Nerds fast unmöglich.

Reden und zuhören sowie gegenseitige Wertschätzung können da helfen. Wer seine Wünsche an die IT möglichst präzise formuliert – etwa, wofür die bestellte Website verwendet wird und welche Informationen sie enthalten soll – hat schon halb gewonnen. Man muss dem Gegenüber aber auch aufmerksam zuhören und wenn nötig so lange nachfragen, bis man die Sache verstanden hat.

Umgekehrt sollten IT-Menschen im Umgang mit Usern auf ihr Fachvokabular, das meist mit viele Abkürzungen, Floskeln und jeder Menge an englischen Begriffen gespickt ist, eher verzichten. Wenn man in seiner Materie wirklich sattelfest ist, kann man jeden Sachverhalt einfach und verständlich darstellen. In diesem Sinn sollte jeder IT-Experte an seiner Kommunikationsfähigkeit arbeiten. Nötig ist eine „Entcodierung“ der IT-Fachsprache, um auch Nicht-ITlern klar zu machen, worum es geht.

Wer sich eine „Übersetzung“ des IT-Kauderwelsch wünscht, für den gibt es mittlerweile diverse Rezepte und Hilfsmittel. Man kann mit Hilfe von Prozessberatern, Terminologen und Linguisten in einem Unternehmen eine einheitliche Terminologie definieren, um die Zusammenarbeit zwischen IT und den anderen Abteilungen zu verbessern. Bei komplexeren Problemen können Prototyping oder Requirments Engineering eingesetzt werden. Das klingt zwar nach IT-Kauderwelsch, die Idee dahinter ist aber durchaus vernünftig. Beim Requirements Engineering werden die Anforderungen an ein System, also etwa eine neue Software, zunächst systematisch, strukturiert und möglichst präzise erfasst. Beim Prototyping geht es darum, nicht sofort eine neue Software zu entwickeln, sondern zunächst einen oder mehrere Prototypen davon, die vom Benutzer getestet und bei Bedarf verändert werden können. Ziel ist es in beiden Fällen, Missverständnisse zwischen Customer und IT-Developer zu vermeiden und letztlich zu einer praktikablen Lösung zu kommen.

Haben Sie zu diesem Thema eigene Erfahrungen gemacht oder gar ein „Patentrezept“ für den Umgang zwischen Normalsterblichen und IT-Freaks gefunden? Dann schreiben Sie uns bitte ein Mail an brigitta.schwarzer@inara.at.