Digital-Skills für alle

Digital-Skills für alle

Last Updated on 2019-11-14

Der Verein fit4internet will die digitale Kompetenz der Österreicher evaluierbar und vergleichbar machen sowie steigern. Wichtige Zielgruppe sind alle bisherigen „Offliner“, besonders kümmern will man sich um die Generation 60 plus.

Digitale Kompetenz wird immer wichtiger, sei es im Berufsleben oder im Alltag. Die Österreicher haben hier aber noch erheblichen Nachholbedarf, erklärt Mag. Ulrike Domany-Funtan MBA, Generalsekretärin des Vereins zur Steigerung der digitalen Kompetenzen in Österreich: „Ein Drittel der Bevölkerung verfügt nicht über digitale Basiskompetenzen. Innerhalb der Europäischen Union liegt Österreich bei den Digital-Skills auf Rang acht, die skandinavischen Länder sind da um einiges voraus.“

So wichtig wie Lesen, Schreiben, Rechnen

Der Verein fit4internet ist überparteilich, unabhängig und nicht auf Gewinn ausgerichtet. Seine Aufgabe ist es, den Aufbau digitaler Kompetenzen in ganz Österreich quer durch alle Gesellschaftsschichten zu fördern. Technische Fähigkeiten gehören ebenso dazu wie die kompetente und reflektierte Nutzung digitaler Medien. „Die Menschen sollen digitale Alltagssituationen privat sowie beruflich problemlos meistern können und zwar unabhängig von Alter, Ausbildungsstand und Herkunft,“ so Domany-Funtan. Sie hält selbst Vorträge zum Thema und will den Menschen bewusst machen, dass digitale Kompetenz heute genauso wichtig ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Um international wettbewerbsfähig zu sein, braucht der Wirtschaftsstandort Österreich jetzt und vor allem in Zukunft Mitarbeiter, die fit für die Digitalisierung sind, betont sie. Ohne zumindest die einfachen Digital-Skills kommt man heute im Berufsleben kaum noch zurecht. Aber auch für die soziale Teilhabe ist es für jeden von uns wichtig, zumindest Grundkenntnisse in Sachen Digitalisierung zu haben.

fit4internet besteht seit Anfang 2019 und hat vier Mitarbeiter. Für seine Projekte beschäftigt der Verein 80 bis 100 Experten. Trainer werden für Pilotprojekte zugekauft, bisher wurden insgesamt 140 davon österreichweit ausgebildet. Mit an Bord sind bei fit4internet als Initiator das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort sowie als Mitglieder des Vereins namhafte heimische Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Gewerbe, Handel, Banken, Versicherung und Technologie (z.B. Siemens, Post, Mondi, A1 Telekom sowie Raiffeisenbank International) sowie Institutionen aus Wissenschaft und Forschung sowie der Erwachsenbildung. Präsident ist MMag. Peter Oswald, CEO der Mondi Gruppe.

Weiterlernen essenziell

Die Website www.fit4internet.at bietet ein umfangreiches Informations- und Serviceangebot. Sechs Infomodule vermitteln auf unterhaltsame Weise Wissen, das man in Alltagssituationen braucht. Behandelt werden u. a. der Kauf eines Smartphones, das Planen und Buchen einer Reise über das Internet, die Online-Koordination eines Heimwerkerprojekts sowie – ganz wichtig! – das Thema Sicherheit im Netz.

Die Website bietet weiters eine Übersicht über das Kursangebot zu digitalen Themen (sowohl online als auch vor Ort und da nach Bundesländern geordnet). fit4internet veranstaltet selbst keine Lehrgänge, Anbieter können sich aber auf der Website mit ihren Weiterbildungskursen und -Veranstaltungen nach Einordnung in das Digitale Kompetenzmodell für Österreich listen lassen.

Ganz wichtig ist Domany-Funtan das Weiterlernen: „Gerade im Bereich Digitalisierung, wo die Entwicklung rasant verläuft, ist es für jeden User wichtig, immer up-to-date zu bleiben.“ Unter dem Schlagwort „Dranbleiben“ wird praxisnah über aktuelle Themen – etwa Alternativen zu WhatsApp, Speichern in der Cloud oder Schutz vor E-Mail-Betrug – informiert.

Angebot für Best Ager

Eine wichtige Zielgruppe für fit4internet war gleich zu Beginn die Generation 60 plus, betont Domany-Funtan. „Knapp 40 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe bewegen sich nicht in der digitalen Welt. Das kann teilweise am Alter liegen oder krankheitsbedingt sein, oftmals liegt es aber an einer persönlichen Hemmschwelle und Überforderung, sich mit den digitalen Technologien auseinanderzusetzen.“ Man will der älteren Generation, die noch nicht internetaffin ist, die neue Technologie schmackhaft machen und den Menschen zeigen, welche Vorteile sie davon haben. Es gibt heute – etwa bei Flugreisen – viele Angebote, die über das Internet einfach analysiert, verglichen und gebucht werden können und sogar Kosten sparen. Digitale Kompetenzen ermöglichen es, mit Verwandten im Ausland in Kontakt zu bleiben, selbst Amtswege – etwa das Beantragen einer Wahlkarte – können heute schon per Mausklick erledigt werden. Wenn die Digitalisierung weiter fortschreitet wird es auch für die älteren Menschen wichtig, den Computer zu beherrschen, um gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten, betont Domany-Funtan. Wichtig sei es vor allem, den eigenen Bedarf zu erkennen und sich daran zu orientieren.

Um den Best Agern den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern wurde das Kaffee Digital als bedarfsorientiertes Angebot geschaffen. Wer Interesse hat, kann sich für dieses „Einsteigerformat“, das in Kooperation vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und dem Österreichischen Seniorenrat durchgeführt wird, über die fit4internet Hotline anmelden und bei ausreichender Teilnehmerzahl in einer Region dieses kostenlos besuchen. Hier werden bei Kaffee und Kuchen unter Anleitung von professionellen TrainerInnen erste Schritte mit Smartphone & Internet ausprobiert. Schnupperkurse können auch ohne eigenes Gerät absolviert werden, das Angebot ist also bewusst sehr niederschwellig.

Spezielle Angebote sind weiters für Kinder und Jugendliche vorgesehen, ebenso für jene Erwerbstätigen, die bisher nur bescheidene IT-Skills haben.

Eigene Fähigkeiten testen

Wer seine digitalen Fähigkeiten überprüfen will, kann online den CHECK Digitale Alltagskompetenz absolvieren, entweder in der light-Variante oder in der advanced-Version. Damit lässt sich ganz einfach feststellen, in welchen digitalen Alltagssituationen man sattelfest ist und wo das Wissen bzw. die Fähigkeiten noch ausgebaut werden sollten. „Wir bieten diesen CHECK seit Mai 2019 an, seither haben in bereits rund 10.000 Personen absolviert,“ freut sich die Generalsekretärin von fit4internet. Für Anfang 2020 ist die Freischaltung eines CHECKs für allgemeine digitale Kompetenzen in der Berufswelt geplant. Weitere digitale Fitness-CHECKs zu einzelnen Kompetenzbereichen wie z.B. Sicherheit in der digitalen Welt, Umwelt schützen und digitale Technologien nutzen etc. sind in Entwicklung.

Diese Checks basieren auf einem von der Europäischen Union vorgegebenen Referenzrahmen für digitale Kompetenz (Digi.Comp 2.1), das Modell wurde von den ExpertInnen im Auftrag des Digitalisierungsministeriums für Österreich weiterentwickelt (Digi.Comp 2.2 AT). Im Wesentlichen umfasst es sechs Kompetenzbereiche: Grundlagen und Zugang, Umgang mit Informationen und Daten, Kommunikation und Zusammenarbeit, Kreation digitaler Inhalte, Sicherheit sowie Problemlösen und Weiterlernen. Eine Skala von 1 bis 8 bildet die Fähigkeiten ab: 1 entspricht den einfachsten Fähigkeiten, etwa das Einschalten eines Geräts und das Klicken auf eine App. 8 bedeutet Expertenlevel, also z.B. das Programmieren einer App.

https://www.fit4internet.at/


@ Sabine Klimpt