Ein simples Pulver als Wunderwaffe

Ein simples Pulver als Wunderwaffe

Dr. Christine Domforth

Backpulver kann weit mehr, als für das Gelingen eines Kuchens zu sorgen. Und es beweist mit seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, dass es sich fast immer lohnt, kreativ zu sein und über den Tellerrand zu schauen.

Erfunden wurde es um das Jahr 1850, richtig populär gemacht hat es der Apotheker Dr. August Oetker: das Backpulver. Meist wird es in Säckchen zu 16,5 Gramm abgepackt und kommt vor allem beim Kuchenbacken zum Einsatz. Doch das weiße Pulver, das man in jedem Supermarkt für wenig Geld kaufen kann, ist ein wahrer Alleskönner.

Am Beispiel Backpulver zeigt sich deutlich, dass man nicht immer bloß in eingefahrenen Geleisen denken sollte. Wer seine Fantasie spielen lässt, wird immer wieder neue, überraschende Lösungen finden, die gut, manchmal sogar besser funktionieren als die althergebrachten. Nicht nur beim „Multitalent“ Backpulver. Gerade während der Coronakrise hat sich das zuletzt wieder gezeigt.

Backpulver (Natriumbikarbonat) besteht aus Natron und einem Säuerungsmittel plus etwas Stärke. Kommt Feuchtigkeit dazu, reagieren die beiden Hauptsubstanzen miteinander, dabei wird CO2 freigesetzt. Beim Backen wird durch die Wärme aus Natron Soda und auch dabei entsteht CO2. Dieses ist nicht (klima)schädlich, seine Gasbläschen sorgen vielmehr dafür, dass Kuchen oder anderes Gebäck nicht „sitzen bleiben“, sondern aufgehen und schön locker werden.

Nicht nur für Küche und Haushalt

Man muss sich nur die Bestandteile bzw. die chemische Zusammensetzung vor Augen halten und seine Fantasie etwas spielen lassen: dann eröffnen sich ganz intuitiv zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Backpulver. Es kann nicht nur in der Küche und im gesamten Haushalt eingesetzt werden, sondern – oft auch in Kombination mit Essig – weit darüber hinaus. Für die Verwendung von Backpulver auch abseits der Zubereitung von Mehlspeisen spricht nicht nur sein unschlagbar günstiger Preis, sondern auch die Tatsache, dass es keine giftigen Inhaltsstoffe enthält, wie sie beispielsweise in manchen herkömmlichen Reinigungs- und Putzmitteln zu finden sind.

Dank des darin enthaltenen Natrons ist Backpulver hervorragend geeignet, unangenehme Gerüche – etwa im Kühlschrank, im Schuhschrank oder im Garderobeschrank – zu neutralisieren. Einfach eine kleine Schüssel mit dem Pulver hineinstellen und eine Weile warten, dann riecht es wieder frisch.

Angebrannte Töpfe und Pfannen oder verfärbte Kaffee- bzw. Teetassen werden mit Backpulver und etwas Wasser wieder sauber, ebenso der verschmutzte Grillrost. Roststellen von Edelstahl lassen sich ebenfalls damit entfernen. Im Sanitärbereich hilft Backpulver nicht nur, verstopfte Abflüsse zu säubern, man bekommt damit auch schmutzige Fliesenfugen wieder weiß. Zum Bleichen von Textilien ist es ebenfalls geeignet. Silberbesteck und Schmuck wird mit Backpulver wieder schön und glänzend, beim Polieren damit kann es aber Kratzer geben.

Für Körperpflege und im Garten einsetzbar

Abseits von Küche und Haushalt leistet Backpulver auch bei der Körperpflege gute Dienste. Wer keine Zahnpasta im Haus hat, kann seine Beißerchen ausnahmsweise mit Backpulver reinigen. Vom Dauergebrauch wird allerdings abgeraten, weil sonst die Zähne Schaden nehmen könnten. Backpulver kann weiters als natürliches Deo, als Trockenshampoo-Ersatz, zum Aufhellen von blondem Haar, als Peeling oder als Zusatz für ein beruhigendes Fußbad verwendet werden.

Blumen halten länger, wenn man dem Wasser in der Vase etwas Natron oder Backpulver hinzufügt. Im Garten hilft Backpulver gegen Mehltau auf Rosen und allgemein gegen Unkraut und zwar ganz ohne schädliche Pestizide. Lästige Ameisen kann mit Backpulver plus etwas Zucker unschädlich machen. Weil die Krabbeltiere dabei besonders langsam und qualvoll zugrunde gehen, sollte man jedoch besser zu anderen Methoden der Ameisenabwehr greifen.

Backpulver hilft dank des darin enthaltenen Natrons bei lästigem Sodbrennen. Wenn man es mit Wasser zu einer Paste verrührt und auf die betroffene Stelle aufträgt, lindert es Insektenstiche und bekämpft Mitesser und Pickel. Dem Badewasser zugesetzt wirkt es gegen Windelausschlag bei Babys. Mit Backpulver-Paste lassen sich Kratzer am Handy-Display wegpolieren. Sie ist auch geeignet, um verschmutzte Bügeleisen-Unterseiten sowie Glätteisen oder Lockenstäbe zu reinigen. Und diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen.