Frauen müssen den Fokus auf ihre finanzielle Vorsorge verstärken

Frauen müssen den Fokus auf ihre finanzielle Vorsorge verstärken

Last Updated on 2020-09-01

Astrid Valek, Marketingleiterin bei HDI LEBEN, ist es ein Herzensanliegen, Frauen für einen bewussteren Umgang mit den Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau zu sensibilisieren. Im Gespräch mit Kommunikationsexpertin Elisabeth Wolfbauer-Schinnerl erklärt sie, was ihr dabei wichtig ist.

Der 30. Juli war in Österreich der „Equal Pension Day“. An diesem Tag haben Männer bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen über das ganze Jahr bekommen. Mit einer durchschnittlichen ASVG-Pension von rund 1100 Euro brutto monatlich leben viele Frauen in Österreich nahe der Armutsgrenze.

Elisabeth Wolfbauer-Schinnerl: Frau Valek, warum schließt sich die Pensionslücke hierzulande so langsam?

Astrid Valek: Die Ursachen für diese Ungleichheit sind vielfältig. Sie beginnen oft schon in der Familie, wo noch immer klassische Rollenbilder und das „Zuverdiener-Denken“ dominieren. Mädchen ergreifen Berufe, die für unsere Gesellschaft immens wichtig, aber schlecht bezahlt sind. Außerdem – und das ist kein Geheimnis – werden Männer und Frauen für die gleiche Tätigkeit nach wie vor nicht gleich bezahlt, Stichwort „Pay Gap“. Die Einkommensschere verringert sich nur langsam und liegt aktuell bei rund 21 Prozent. Die fehlenden Beiträge am Pensionskonto von Frauen sind aber auch den Unterbrechungen durch Karenz, der Pflege von Angehörigen sowie der Teilzeitbeschäftigung nach der Geburt eines Kindes geschuldet. In Österreich arbeiten aktuell rund 885.000 Frauen in Teilzeit, limitierte Kinderbetreuungsplätze sind mit ein Grund dafür. Damit haben Frauen aber nicht nur weniger Einkommen, sondern auch geringere Aufstiegschancen. All das schlägt sich am Pensionskonto nieder, wo letztlich die notwendigen Beiträge fehlen.

Wie war Ihre persönliche Erfahrung: Konnten Sie Ihre individuelle Pensionslücke infolge von Karenz und Teilzeitarbeit schließen?

Als Mutter von zwei – mittlerweile erwachsenen – Söhnen war es nicht immer einfach, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. So wie die meisten Frauen habe ich, als meine Kinder klein waren, in Teilzeit gearbeitet, dabei jedoch darauf geachtet, dass es zumindest 30 Wochenstunden sind. Mir war schon in jungen Jahren wichtig, die eigene Altersvorsorge im Auge zu behalten und langfristig Vermögen aufzubauen. Seit es das Online-Pensionskonto gibt, verschaffe ich mir einmal pro Jahr einen Überblick zum aktuellen Stand. Leider wird dieser Service viel zu selten in Anspruch genommen. Damit sind negative Überraschungen vorprogrammiert. Mein Rat an alle Frauen lautet daher: Der jährliche Blick ins Pensionskonto muss ein Fixtermin werden. In einem zweiten Schritt sollte man gemeinsam mit der Beraterin/dem Berater des Vertrauens einen langfristigen Plan zum Vermögensaufbau erstellen. Bei HDI LEBEN sprechen wir hier von ZEITWERTsicherung. Je früher man sich dabei mit ertragsorientierter Geldanlage beschäftigt, desto besser. So kann man auch mit kleinen Beträgen Großes bewirken.

Viele Frauen haben Berührungsängste, wenn es um Geldanlage geht. Verschenken Frauen aus Unsicherheit die Chance auf ein finanziell sorgenfreies Dasein im Alter?

Ich möchte hier die Ergebnisse einer europaweiten Studie von J.P. Morgen Asset Management aus dem Jahr 2019 zitieren, in der 3000 Frauen und Männer zum Thema Geldanlage befragt wurden. Die Mehrzahl der Frauen glaubte, dass sie über geringere Anlage- und Finanzkenntnisse verfüge als Männer. Zudem vertraten fast 60 Prozent der Frauen die Meinung, dass sie nicht genügend Zeit hätten, um sich mit dem Thema zu befassen. Das bedeutet: Nicht nur mangelnde Finanzbildung ist schuld, dass viele Frauen ihre finanziellen Ziele nicht erreichen, sondern auch die fehlende Priorisierung des Themas Vorsorge. Es braucht daher ein Bündel an Maßnahmen, um die Pensionslücke von Frauen zu schließen.

Was könnte der Staat dazu beitragen?

Ein erster wichtiger Schritt wäre ein obligatorisches Pensionssplitting, damit könnte der Einkommensverlust der Mütter durch Karenz- und Betreuungszeiten reduziert werden. Darüber hinaus sollte die „Abfertigung Neu“ erst mit Pensionsantritt ausbezahlt werden – und damit zur tatsächlichen Zusatzpension werden. Wichtig fände ich auch mehr öffentliche Unterstützung bei der Sensibilisierung von Frauen für ihre finanzielle Eigenvorsorge und das nicht nur zum Weltfrauentag. Nachhaltige Geldanlage könnte ein attraktiver Anreiz sein. Denn anders als bei traditionellen Investments geht es dabei nicht nur um Rendite, sondern um einen sozialen und ökologisch wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Und schließlich wäre es auch an der Zeit, die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge einer umfassenden Reform zu unterziehen.

Die Corona-Krise hat die Einkommenssituation vieler Mütter nochmals verschärft. Wie könnten Mütter langfristig unterstützt werden, um einen gerechten Ausgleich für die zusätzliche Familienarbeit zu erhalten?

Das Coronavirus hat die Vereinbarung vieler Paare „Wir können beide arbeiten, weil die Kinder fremdbetreut sind“ über den Haufen geworfen und uns vor Augen geführt, wie fragil dieses Konstrukt ist. Ich hoffe, dass Frauen aufgrund der Corona Pandemie mit Schulbeginn nicht wieder so stark belastet werden und aufgrund von Homeoffice und Homeschooling weiter zurückstecken müssen.

Von der Politik wünsche ich mir eine Anpassung der Pensionsreform von 2004, welche auch auf die nicht linearen Karriereverläufe von Frauen Rücksicht nimmt und die unbezahlten Tätigkeiten von Frauen (und Männern) durch einen sozialversicherungsrechtlichen Ausgleich honoriert. Ansetzen würde ich auch bei den Versicherungsunternehmen. Sie sollten bei der Produktgestaltung sensibler auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen eingehen. Von uns Frauen wünsche ich mir mehr Selbstbewusstsein, wenn es um die eigene Vorsorge geht, und dass wir dem Thema in unserer persönlichen Werteskala eine höhere Priorität einräumen. All das wird notwendig sein, um auch im Alter ein LEBENSWERTES Leben führen zu können.

 

Orientierung finden Interessierte auch unter: www.hdi-leben.at

Bei dem Beitrag handelt es sich um eine Anzeige der HDI Lebensversicherung AG


@ Vicky Posch, Foto von links: Astrid Valek und Elisabeth Wolfbauer-Schinnerl

Dieser Beitrag ist auch im KURIER vom 29.08.2020 erschienen.