Interview: „Bilder, nicht Fotos“

Interview: „Bilder, nicht Fotos“

Last Updated on 2022-06-23
Anlässlich der Vernissage „Wiener Klänge“ im kwartier15 in der Reindorfgasse sprach INARA mit der jungen Foto-Künstlerin Caro Lenhart über ihr Werk und ihre Zukunftspläne.

INARA: Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Caro Lenhart: Ich habe schon immer gerne fotografiert und gefilmt, vor allem auch auf Reisen. Eine Zeit lang plante ich, Schauspielerin zu werden. Das war aber dann doch nicht das Richtige für mich und ich habe mich endgültig für die Fotografie entschieden. Ich wollte dabei in die Tiefe gehen und habe mich daher entschlossen, die Neue Schule für Fotografie in Berlin zu besuchen. Derzeit absolviere ich die Abschlussklasse.

INARA: Können Sie uns etwas über diese Ausbildung sagen?
Lenhart: Es ist eine fundierte und breit gefächerte gestalterische und technische Ausbildung. Wir arbeiten nicht nur digital, sondern auch mit den analogen Techniken. Dabei werden die Bilder auch wie früher in der Dunkelkammer ausgearbeitet. Das finde ich sehr spannend.

INARA: In welche Richtung soll es mit Ihrer Arbeit künftig gehen?
Lenhart: Ich werde weiter machen in Richtung persönlicher Projekte und Porträts. Später könnte es in Richtung Film gehen. Die Fotografie ist meine Leidenschaft, aber sie ist doch statisch und eingegrenzt. Im Film hat man durch den Ton, also Sprache und Musik, noch mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Dabei sehe ich mich nicht als Dokumentarfilmerin, mein Interesse gilt mehr dem fiktionalen Film. Ich möchte mir Geschichten ausdenken, die sich mit der Psyche des Menschen und der menschlichen Wahrnehmung auseinandersetzen.

INARA: Die „Wiener Klänge“, die Sie derzeit präsentieren, gehören zu einer Serie „Tones of a city“. Welche Städte haben Sie schon in den Fokus genommen und wie soll es weitergehen?
Lenhart: Ich habe mit „Tones of a city“ in Berlin gestartet. Jetzt habe ich in Wien eine Serie von Bildern im 15. Bezirk gemacht. In Wien kommt noch eine „grüne“ Serie dazu, die im Auer-Welsbach-Park entstehen wird. Demnächst reise ich nach Paris, da könnte die nächste Serie entstehen. Schön wäre es, künftig mit der Serie reisen zu können.

INARA: Bei „Tones of a city“ geht es nicht um die klassischen Sehenswürdigkeiten, sondern um Straßenfotografie in der Stadt. Sie nehmen dabei vermeintlich unspektakuläre Motive ins Visier: einen Baum, eine Treppe, eine Baustellenabzäunung, einen Obststand am Markt. Was ist die Idee dahinter?
Lenhart: Mich interessieren die unterschiedlichen Facetten einer Stadt, in der ich mich bewege, die Menschen, die vor mit stehen, und die Schönheit des Moments. Ganz spannend finde ich die Diversität einer Großstadt sowie Dinge, die keinen Bestand habe wie z.B. Baustellen. Auch Schaufensterpuppen faszinieren mich.

INARA: Was ist Ihnen beim Fotografieren grundsätzlich wichtig? Und könnten Sie Ihre Arbeit in einem Satz zusammenfassen?
Lenhart: Die Idee hinter meiner Arbeit: unterschiedliche Personen sehen das Gleiche, nehmen aber etwas anderes wahr. Ich gehe an die Motive mit einer fast kindlichen Neugier heran und möchte mit Ausschnitten spielen, unterschiedlichste Perspektiven einnehmen, Stimmungen festhalten und eine Geschichte erzählen. In einem Satz formuliert: Es geht um Bilder, nicht um Fotos.

 

Vernissage „Wiener Klänge“

Caro Lenhart, die aus Wien stammt, seit sieben Jahren Berlin lebt und dort neben ihrem Studium an der Neuen Schule für Fotografie als freiberufliche Fotografin und Filmemacherin arbeitet, präsentierte am 19. Juni 2022 gemeinsam mit INARA-Chefin Dr. Brigitta Schwarzer im kwartier15 in der Reindorfgasse ihre „Wiener Klänge“. Die Fotos entstanden am Ostermontag 2021 während eines Spaziergangs im 15. Bezirk. Aus den insgesamt 100 Schnappschüssen wählte die Grafikerin Ursi Nasswetter 25 spannende Motive aus, darunter sind auch einige Großformate. Sie wurden auf Wabenkarton gedruckt und im Galeriesystem angebracht. Die Künstlerin und die Gastgeberin freuten sich über ein full house am bisher wärmsten Tag des Jahres 2022. Family and Friends und zahlreiche kunstaffine KollegInnen kamen zur Vernissage und bewunderten die eindrucksvollen und facettenreichen Bilder.

 


@Privat

www.carolenhart.com

www.nasswetter.at

Autorin: Dr. Christine Domforth