Interview Cornelia Dankl: „CSR und Nachhaltigkeit wurden mir in die Wiege gelegt“

Interview Cornelia Dankl: „CSR und Nachhaltigkeit wurden mir in die Wiege gelegt“

Last Updated on 2020-01-20

Bei der beruflichen Tätigkeit von Mag.a Cornelia Dankl, die seit 2004 bei der BONUS Vorsorgekasse beschäftigt ist, dreht sich alles um das Thema Nachhaltigkeit.

INARA: Sie arbeiten in der BONUS Vorsorgekasse. Welche Funktion haben Sie dort und was macht dieses Unternehmen?
Mag.a Cornelia Dankl: Genau genommen bin ich Marketing- und CSR-Beauftragte der BONUS und Concisa Gruppe. Die BONUS Vorsorgekasse Aktiengesellschaft ist gemeinsam mit der BONUS Pensionskassen Aktiengesellschaft und der CONCISA Vorsorgeberatung und Management AG ein Spezialist für die betriebliche Altersvorsorge. Wir gehören zu je fünfzig Prozent der Generali Versicherung AG, Teil der weltweit agierenden Generali Group, und der Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft, Tochter der international tätigen Zurich Insurance Group AG. Außerdem bin ich Obfrau des HR-Circle und CSR Circle.

INARA: Wie kamen Sie persönlich zu den Themen Nachhaltigkeit und CSR? Wurden Sie erst im Berufsleben damit konfrontiert oder schon früher?
Dankl: Man könnte sage, dass mir CSR in die Wiege gelegt worden ist. Geboren worden bin ich in Vorarlberg, meine Eltern hatten eine Gärtnerei in Bludenz. Ich habe schon als Kind einen Großteil meiner Freizeit in der Gärtnerei bzw. im Blumengeschäft verbracht und hatte damit immer einen großen Bezug zur Natur. Und in kleineren Städten, wo sich faktisch jede und jeder kennt, ist die Rücksichtnahem auf andere Menschen wohl eher üblich. Wenn ich z.B. im Bus nicht aufgestanden wäre, wenn ein alter und hilfsbedürftiger Mensch einen Sitzplatz gebraucht hat, dann hätte wohl bei mir zu Hause das Telefon Sturm geläutet. Das und vieles mehr haben mich geprägt. Über den Klimaschutz nachgedacht habe ich aber bewusst erstmals in der Schule, als wir mit unserem Biologieprofessor durch den Wald gegangen sind und Anschauungsunterricht zum Sauren Regen und Waldsterben bekommen haben und er uns u.a. die richtige Mülltrennung beigebracht hat. Wir reden hier von Anfang der 80er – da war noch vieles nicht so bewusst wie heute.

INARA: Wie verlief Ihr Einstieg in die Nachhaltigkeit im Berufsleben?
Dankl: Ich bin 2004 nach Wien gekommen und arbeite seither für die BONUS Gruppe. Da hat mein berufliches Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit begonnen. Die BONUS war hier absoluter Vorreiter in der Finanzbranche, nachhaltige Veranlagung war für sie bereits zu dieser Zeit einer der Firmenschwerpunkte. Sie wurde auch von Beginn an von der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) für ihr nachhaltiges Engagement zertifiziert. Für diese Zertifizierung wurde auch ein Nachhaltigkeitsbericht verlangt. Das war zwar für mich ein Sprung ins kalte Wasser, gleichzeitig aber auch der Auftakt, mich mit Herzblut und Leidenschaft der Nachhaltigkeit bzw. CSR zu verschreiben.

INARA: Und wie ging es in Punkto Nachhaltigkeitsbericht weiter?
Dankl: 2009 haben wir dann für die BONUS Gruppe den ersten umfassenden Nachhaltigkeitsbericht geschrieben. Damit war unser Unternehmen eines der ersten in der Finanzbranche, das eine nachhaltige Berichterstattung nach internationalem Standard – konkret dem Global Reporting Initiative (GRI) Standard – erstellt hat. Seither schreiben wir alle drei Jahre einen umfassenden Bericht und in den Jahren dazwischen eine CSR-Zeitung.

INARA: Können Sie uns einige Beispiele nennen, wie Nachhaltigkeit konkret in der BONUS gelebt wird?
Dankl: Die ÖGUT-Zertifizierung habe ich ja bereits erwähnt. Außerdem haben wir einen Ethikbeirat als beratendes Gremium. Unser Investmentkonzept BONUS 21+ beinhaltet u.a. Maßnahmen zum Klimaschutz und gegen Ungleichheit. Ein wesentlicher Meilenstein in diesem Jahr war die Unterzeichnung der Principles for Responsible Investment (PRI) der Vereinten Nationen. Die Organisation prüft unter anderem, ob die PRI Standards eingehalten werden und gibt uns als Investoren ein fachliches und qualitatives Feedback, das uns bei der Weiterentwicklung unseres nachhaltigen Investmentansatzes hilft.

Künftig wollen wir auch den CO2-Fußabdruck unserer Veranlagungen messen sowie verstärkt in Impact Investments einsteigen. Aktuell beschäftigen wir uns auch intensiv mit den SDGs – den sustainable developement goals. Wir sind auch Initiator der beiden Vereine HR Circle und CSR-Circle, deren Obfrau ich jeweils bin.

INARA: Was genau machen die beiden Vereine und wie besteht hier ein Zusammenhang mit der BONUS?
Dankl: Den HR Circle haben wir im Jahr 2006 gegründet. Dieses B2B-Netzwerk soll den Gedankenaustausch zwischen Personalverantwortlichen österreichischer Unternehmen fördern. Wir haben mittlerweile rund 200 Mitglieder, es gibt laufend Fach- und Netzwerkveranstaltungen bzw. auch zahlreiche Angebote aus dem Netzwerk selber.

2011 haben wir dann den CSR-Circle ins Leben gerufen. Wir sind eine offene B2B-Community für Personen, die sich beruflich mit den Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility beschäftigen. Alle ein bis zwei Monate treffen wir einander zu Vorträgen, Diskussionsrunden, Workshops und Exkursionen und nehmen dabei spannende Impulse für unsere berufliche Tätigkeit mit. Meine Vorstandsfunktionen beim CSR Circle und beim HR Circle übe ich im Rahmen meiner Tätigkeit bei der BONUS aus, weil das Unternehmen auch damit gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

INARA: Was hat der HR Circle mit Nachhaltigkeit zu tun? Geht es da nicht eher um Personalmanagement?
Dankl: Nachhaltigkeit muss ebenso wie Compliance in den Firmen unbedingt top-down gelebt werden. Daher muss die Personalabteilung alle Grundzüge und Prinzipien, die zum ökologisch und sozial verantwortlichen Handeln gehören, innerhalb des Unternehmens verbreiten und das auch bei der Personalauswahl berücksichtigen. Weiters gehört dazu, Mitarbeiter fair und respektvoll zu behandeln und zwar nicht nur jene im Unternehmen selbst, sondern auch in ausländischen Tochtergesellschaften sowie bei Zulieferern.

INARA: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Gesellschaft ein enormer Wertewandel abgespielt. Wie nehmen Sie diesen konkret wahr?
Dankl: Gegenüber meiner Jugendzeit hat sich viel verändert, teilweise schlägt das Pendel jetzt wieder in die Gegenrichtung aus. Kleidungsstücke wurden früher viel länger getragen, Schokolade war etwas Besonderes, Fleisch stand nicht täglich auf dem Speisezettel. Das ist heute meist völlig anders, das erkennt man z.B. an der billigen Wegwerf-Mode, Stichwort fast-fashion, oder an Schleuderpreisen für Lebensmittel im Supermarkt. Manches – etwa der Fleischkonsum oder das Autofahren – ist für manche Menschen zu einer Sache der Weltanschauung geworden. Aber immer mehr junge Menschen – und das freut mich sehr – leben heute nach der Devise „weniger ist mehr“, sie vermeiden Plastik, ernähren sich vegetarisch oder sogar vegan, nutzen Car-Sharing oder das Fahrrad und demonstrieren für eine Klimawende. Bei ihnen ist das Thema Nachhaltigkeit bereits angekommen. Aktuell inspirieren mich besonders Initiativen wie Fridays for Future oder vor kurzem die Euro Pride in Wien. Diese positive Stimmung, sich friedlich und doch bestimmt für eine bessere Welt einzusetzen, gibt mir sehr viel Kraft.

INARA: Und wie „ticken“ die Jungen auf dem Arbeitsmarkt, spielt hier Nachhaltigkeit auch eine Rolle?
Dankl: CSR und Nachhaltigkeit wird auch immer mehr als Employer Branding tool entdeckt, weil gerade die gut ausgebildeten jungen Leute eine sinnstiftende Arbeit suchen bzw. in einem Unternehmen arbeiten wollen, das Verantwortung übernimmt. Der sogenannte „war for talents“ wird wohl in den nächsten Jahren nicht weniger werden und da gilt es zu reagieren.


@Martina Draper/BONUS Vorsorgekasse AG

Website BONUS Vorsorgekasse AG: www.bonusvorsorge.at

Autorin: Brigitta Schwarzer