Interview: i trau mi / In der Pension Träume verwirklichen

Interview: i trau mi / In der Pension Träume verwirklichen

Dr. Nadine Moser hat i trau mi gegründet. Im INARA-Gespräch stellt sie die Plattform für aktive Best Ager vor.

INARA: Welche Idee steht hinter der Initiative i trau mi?
Dr. Nadine Moser: Wir sind eine Plattform für aktive Menschen im besten Alter, die eigene Ideen umsetzen und ihre Talente ausleben möchten. Die Leute können bei uns herausfinden, wo ihre Interessen und herausragenden Begabungen liegen. Wir schaffen das Umfeld dafür, dass Menschen ihre Idee und Träume verwirklichen, die vielleicht schon lange in ihnen schlummern. Das Geld verdienen kommt erst danach. Aber wer sich selbst voll einbringt, an Dingen arbeitet, die richtig Spaß machen, wird damit auch Erfolg haben. Davon bin ich überzeugt.

INARA: Wie kamen Sie dazu, die Initiative i trau mi zu starten?
Moser: Ich habe an der WU in Wien studiert, dort auch geforscht und zahlreiche Innovationsprojekte mit Unternehmen geleitet – zunächst im Rahmen der Kurse, in denen ich unterrichtet habe, später als selbstständige Unternehmensberaterin. Die Themen Entrepreneurship und Innovation, aber auch die Psychologie haben mich schon immer interessiert. Da war es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Gründung von i trau mi.

INARA: Wer gehört neben Ihnen zum i trau mi-Team?
Moser: Unsere Kerngruppe ist vor allem von Vielfalt gekennzeichnet. Mit dabei sind u. a. Christoph Schwarz, MSc., der lange Zeit in den USA tätig war und seit fünf Jahren als Coach und Trainer arbeitet, weiters Roswitha Schaffer, die viele Jahrzehnte in der Gastronomie gearbeitet hat und jetzt bei uns erste Ansprechperson für unsere Community ist. Weiter Edward J. Farnik, der früher in der Tourismus- und dann in der Verlagsbranche tätig war und sich bei uns um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert sowie die ehemalige Lehrerin Viktoria Parth und die ehemalige Kriminalistin Anne Böhm.

INARA: Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben, für wen ist die Initiative i trau mi geeignet?
Moser: Unsere Zielgruppe sind Menschen im besten Alter, also Leute ab 55, die in Richtung Pension gehen oder seit kurzem in Pension sind. i trau mi ist eine bunte Plattform, da haben alle einen Platz – egal ob sie bisher als Manager oder Führungskraft tätig waren, im Büro, im Handel oder im Handwerk gearbeitet haben. Wichtig ist, dass die Menschen geistig und körperlich beweglich sind, neugierig aufs Leben sowie offen für neue Leute und neue Ideen.

INARA: Wie finanziert sich die Plattform, bzw. was kostet es, wenn man bei i trau mi mitmachen will?
Moser: Ab Herbst können aktive Best Ager von zwei Angeboten Gebrauch machen: Im i trau mi-Club trifft man auf gleichgesinnte aktive Menschen, kann sich von deren Projekten inspirieren lassen oder seine eigene Idee präsentieren, bei Diskussionen mitreden und seine digitalen Kompetenzen erweitern. All das passiert in drei Veranstaltungen pro Monat, die wir für unsere Mitglieder ausrichten werden. Die Mitgliedschaft kostet 14,90 Euro pro Monat.

Für diejenigen, die direkt mit der Umsetzung der eigenen Idee starten möchten, gibt es die i trau mi-Akademie. Hier wird man über zwei Semester dabei begleitet, zunächst um „Vom Träumen ins Tun“ zu kommen und danach im zweiten Semester das Konzept erstmalig umzusetzen und – sofern gewünscht – sich dadurch eine Einkommensquelle zu erschließen. Die Teilnahme an unserer Akademie ist ebenfalls kostenpflichtig.

INARA: Wann ist Ihrer Meinung nach der richtige Zeitpunkt dafür, sich bei i trau mi zu engagieren?
Moser: Wir sollten die Leute ansprechen, wenn sie noch aktiv sind oder kurz nach dem Pensionsantritt. Dann sind sie leichter zu motivieren. Wer schon ein paar Jahre in Pension ist, hat sich meist schon zu sehr an den Ruhestandsrhythmus gewöhnt und neue Gewohnheiten etabliert.

INARA: Welche Schwierigkeiten haben Neo-Pensionisten, wenn sie noch beruflich aktiv sein wollen?
Moser: Viele Leute sind mit der Höhe ihrer Pension nicht zufrieden, aber es fehlt ihnen an Möglichkeiten, sich einen Zuverdienst zu erwirtschaften. Generell liegen interessante oder passende Jobs für Ältere nicht auf der Straße. Um die angebotenen Jobs – etwa LektorInnen oder Ordinationshilfen – bewerben sich viele, nicht nur Pensionisten, sondern auch StudentInnen, AusländerInnen, Mütter in Karenz usw. Übrig bleiben Jobs, die niemand will, z.B. Spitzenzeiten im Handel abdecken. Außerdem wird man im Alter natürlich wählerisch – auch beim Arbeiten. Die Kinder- und Altenbetreuung beispielsweise wird oft als Jobmöglichkeit für Ältere genannt, aber das ist einfach nicht für jede/jeden etwas. Ältere sind auch manchmal weniger belastbar und flexibel, sie wollen meist keine fixen Arbeitszeiten, aber eine Tätigkeit, bei der sie sich entfalten können.

INARA: Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?
Moser: All das hat mich bewogen, die Initiative i trau mi zu gründen. Wir wollen Menschen, die nach der Pensionierung im Arbeitsprozess bleiben wollen, einen Anstoß geben, den Mut aufzubringen, sich an die eigenen unternehmerischen oder kreativen Ideen heranzuwagen. Wir bieten dafür ein Netzwerk an Gleichgesinnten, Inspiration und Know-how und wir agieren als Multiplikator für deren Ideen. Man könnte auch sagen, es ist Hilfe zur Selbsthilfe.

INARA: Sie offerieren selbst aber keine Jobs für arbeitswillige Senioren?
Moser: Wir sind keine klassische Jobbörse.  Jeder, der bei uns mitmacht, ist selbst dafür verantwortlich, sich seinen Job zu gestalten und für sein Produkt bzw. seine Dienstleistung Abnehmer zu finden bzw. zu schauen, wo man die eigenen Talente – auch gegen Bezahlung – einbringen kann. Das ist natürlich auch mit Arbeit verbunden, Rückschläge muss man einkalkulieren. Aber die Idee ist, dass auf unserer Plattform ganz viele Menschen ihre Projekte und Resultate herzeigen und sich dadurch viele Möglichkeiten ergeben, irgendwo mitzutun, unterschiedliche Tätigkeiten zu entdecken und neue Menschen kennenzulernen.

INARA: Pools für diverse Dienstleistungen gibt es ja viele. Was ist an i trau mi anders?
Moser: Oft ist es so, dass der eine Nachhilfe anbietet, der andere Gartenarbeiten und der Dritte Kochkurse. Und dann wartet jeder darauf, gefunden zu werden. Dieses Modell ist mir zu passiv. Ich möchte, dass die Leute aktiv werden, ihr Potenzial entfalten und mit ihrem Angebot selbst auf den Markt zugehen.

INARA: Können Sie uns ein Beispiel nennen, wie so etwas läuft?
Moser: Ein Beispiel wäre etwa Anne Böhm. Die gebürtige Deutsche war 40 Jahre lang als Kriminalistin tätig, Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Prävention, es ging vor allem um Diebstahl, Betrug, Raub und Gewalt gegen Frauen. Nach ihrer Pensionierung hat Anne Böhm erkannt, dass von ihren beruflichen Erfahrungen auch weiterhin Menschen profitieren können und sie Lust hat, diese Kenntnisse weiterzugeben. i trau mi hat sie dabei begleitet, ein Konzept für ein Sicherheitstraining auszuarbeiten und dabei unterstützt, einen ersten Workshop anzubieten. Auch weiterhin werden wir Anne bei der kommerziellen Umsetzung ihrer Geschäftsidee unterstützen.

INARA: Sie wenden sich bewusst an Pensionisten oder Menschen knapp vor der Pensionierung. Warum öffnen Sie die Plattform nicht auch für Langzeitarbeitslose?
Moser: Für Langzeitarbeitslose ist i trau mi aktuell weniger gut geeignet. Diesen Menschen geht es meist darum, wieder im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und ein fixes Einkommen zu bekommen. Das ist bei uns ja kein Ziel. Unser Gedanke ist eher gegenteilig, nämlich „schaue, dass du dir selbst einen interessanten Job schaffst“ und mache dich möglichst unabhängig von anderen. Dafür braucht es aber einen starken eigenen Antrieb und eine finanzielle Grundsicherung.

INARA: Was sind Ihre Pläne für die kommenden Monate?
Moser: Wir haben eine ganze Reihe von spannenden Vorhaben in der Pipeline. Wie gesagt, ab Oktober 2019 wird es in Wien den i trau mi-Club geben, der mit einer Messe für Best Ager am 3. Oktober im Alten Rathaus in Wien eröffnet wird. Aussteller werden Menschen sein, die sich getraut haben, in der zweiten Lebenshälfte eigene Projekte zu verwirklichen. Auch spannende Vorträge und Diskussionen wird es geben. Wir freuen uns darauf, viele neue Best Ager kennenzulernen und gemeinsam ein neues, positives Bild vom Altern mitzugestalten.


@ Hubert Tikatsch

Website: www.itraumi.at

Autorin: Brigitta Schwarzer