Komplexität im Export

Komplexität im Export

Last Updated on 2019-09-22

Peter Papouschek

Der Export ist ein Wachstumsmotor, der nach einer langfristigen Strategie verlangt, die nicht nur Produkte, Qualität, Lieferzuverlässigkeit beinhaltet, sondern auch entsprechende Finanzierungsmodelle und weitreichende Rahmenbedingungen.

Immer mehr Menschen drängt es zu reisen, Versäumtes nachzuholen, wertigere Jobs zu erreichen und damit ihren Lebensstandard zu verbessern. Dies gilt nicht mehr nur für die industrialisierten Länder, sondern insbesondere für die sogenannten Entwicklungsländer.

Mobilität ist die Herausforderung der Zukunft, denn dazu gehören nicht nur die Bereitstellung adäquater Infrastruktur, sondern auch Telekommunikation, Energie, Netzwerke, Bildung … und all das, ohne die Umwelt weiter zu belasten.

Die Umsetzung dieser Rahmenbedingungen benötigt nicht nur das Fachwissen von spezialisierten Unternehmen, sondern auch entsprechende Finanzierungen in Milliarden-Euro-Höhe. Unter der Prämisse, dass ein nachhaltiger Transformationsprozess vom einstigen Entwicklungs- zum letztendlich entwickelten Land nicht ausschließlich über reine Projektlieferungen erfolgen wird können, sondern vielmehr einer langfristigen und modular ausgerichteten Strategie bedarf, deren wesentliche Grundlage der Wissenstransfer in das zu entwickelnde Land ist, ist ein Mix an langfristigen Projektfinanzierungen gefragt – z.B. in Form von gebundenen Finanzkrediten und einem entsprechenden Investitionsanreiz, der Unternehmen aus industrialisierten Ländern dazu anspornt, Produktionen bzw. Assemblierungswerke ins Ausland zu verlagern.

Doch das bringt uns zum nächsten Dilemma: dem drohenden Verlust an Arbeitsplätzen im Industrieland.

Wenn wir an Export in Entwicklungsländer denken, dürfen nicht nur heimische Investitionen in Digitalisierungsmodelle als Thema im Vordergrund stehen. Vielmehr ist es die Heraus-forderung, Forschung & Entwicklung, Produktion von Kernkomponenten und/oder –systemen in Österreich zu halten oder gar auszubauen, während Standardteile lokal produziert oder zugekauft und die Endprodukte ebenfalls in lokalen, ausgelagerten Assemblierungswerken zusammengebaut werden könnten.

Es fehlt der Masterplan

Eine proprietäre (im Sinne einer national begrenzten) Strategie kann daher nicht zum Ziel führen. Vielmehr ist es ein übergeordneter Masterplan, der uns fehlt. Dazu ist auch die Politik gefragt. Visionen braucht die Welt. Wo sehen wir Österreich in zehn, 20, 50 Jahren? Wollen wir dann ein Land der Produzenten oder eventuell ein Land der Forscher und Entwickler auf industrieller und gewerblicher Ebene sein? Haben wir diese Entscheidung für uns getroffen, dann gilt es, die Strukturen zu schaffen und die Exportunterstützung entsprechend anzupassen, damit sich die österreichischen Unternehmen entsprechend zukunftsorientiert ausrichten können.

Das österreichische Exportfinanzierungssystem entspricht den OECD-Richtlinien, ist aber z.B. den Chinesen, die kein Mitglied der OECD sind, wettbewerbsmäßig so weit unterlegen, dass oftmals nicht einmal der Qualitätsvorteil oder die entsprechend längere Lebensdauer und damit geringeren „Lebenshaltungskosten“ eines Produktes diesen Nachteil aufzuholen vermögen. Trotzdem haben wir den chinesischen Markt solange umschwärmt und gefördert, bis wir Jahre zu spät bemerkt haben, dass wir dadurch international an Terrain verlieren.

Kurzsichtigkeit rächt sich zwar in der Politik eventuell erst in der nächsten oder übernächsten Legislaturperiode, die dann andere zu verantworten haben, aber in der Wirtschaft entsteht dadurch ein unmittelbarer und nachhaltiger Nachteil, der – wenn überhaupt – nur sehr schwer aufzuholen ist.

Die letzte österreichische Regierung hat unter anderem einen Afrikagipfel ins Leben gerufen – um Jahre oder Jahrzehnte zu spät. Die Chinesen sind bereits dort und haben sich den einen oder anderen Vorteil an Infrastruktur, Bodenschätzen, etc. auf Kosten der lokalen Bevölkerung gesichert.

Problematische Strategie

 Die Wirtschaftskammer präsentierte unlängst ihre Strategie ab 2020, die Südostasien mit z.B. Vietnam als einen Schwerpunkt ins Auge fasst. Akkordiert sieht das nicht aus. Zumal sich SO-Asien bereits zu einem Käufermarkt gewandelt hat und wiederum China in unmittelbarer Nachbarschaft als wesentlicher Mitbewerber und Geldgeber auftritt. Afrika wird hier hintangestellt und Lateinamerika nach wie vor weitestgehend negiert.

Es gilt, die Stärken Österreichs in den einzelnen Technologiesparten mit dem Bedarf in den vielversprechendsten Zielländern und mit dem bereits vorhandenen oder kurz- bis mittelfristig zu erwartenden internationalen Mitbewerb abzugleichen und danach Exportförderungsmittel wie Finanzierungen und Garantien zu bündeln, Finanzierungsinstrumente zu strukturieren und eine Strategie zur Unterstützung österreichischer Unternehmen bei ihrem Weg in ferne Märkte zu definieren und umzusetzen.

Mittel- bis langfristige Finanzierungsmodelle, Nachhaltigkeit, Bündelung der Kräfte, Schaffung einer win-win-Situation zwischen Österreich und der Zielregion … das sind die Schlagworte, an denen wir uns ausrichten müssen. Dann wird daraus anstatt eines kurz- bis mittelfristigen Erfolges auch langfristig eine nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen resultieren.

Peter Papouschek ist Managing Partner der PPMC – Peter Papouschek Management Consulting. Nach einer Karriere im Management in namhaften Unternehmen mit Schwerpunkt internationaler Vertrieb betreibt er seit über einem Jahrzehnt eine kleine Beratungsboutique mit Fokussierung auf die Bereiche Export (Projektentwicklung & -umsetzung, inkl. Strukturierung von Exportfinanzierungen) und Strategie (M&A, Prozessoptimierung, Firmengründung, Start-ups, etc.) und verfügt in einigen Ländern Südosteuropas, der MENA Region, Südostasiens und (Latein-)Amerikas über etablierte Partner- und Kontaktnetzwerke. Die Mehrheit der Klienten kommt aus den Bereichen Infrastruktur, Anlagenbau und Sicherheit.


@PPMC

Website: www.ppmc.at