NET AG: Neue Aktien per Mausklick zeichnen

NET AG: Neue Aktien per Mausklick zeichnen

Last Updated on 2019-10-10

Patrick Baldia, Börsen-Kurier Nr. 40, 03.10.2019

Der Energie-Spezialist setzt bei laufender Kapitalerhöhung auf eine digitale Zeichnungs-möglichkeit.

Die NET New Energy Technologies AG, ein im Segment „Direct Market“ der Wiener Börse gelisteter Hersteller von Industriedampf- und Heißwasserkesseln, beschreitet im Zuge seiner bis Ende November laufenden Kapitalerhöhung neue Wege. „Es ist das erste Mal, dass ein an der Wiener Börse notierendes Unternehmen im Rahmen einer Eigenemission neuer Aktien auf digitale Zeichnungsmöglichkeiten setzt“, hält der Finanzinvestor und Industrielle

Gregor Rosinger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier fest.

Der Ablauf ist denkbar einfach: Aktien können nach Eingabe der erforderlichen Daten auf Lion Rocket (www.lionrocket.com) per Mausklick gezeichnet werden – und zwar ortsunabhängig sowie rund um die Uhr. Die ausgedruckten und unterzeichneten Zeichnungsscheine müssen also nicht mehr per Post versendet werden. Nach dem Final Settlement erfolgt die Auslieferung der Papiere bzw. die Umbuchung auf das Depot des Zeichners. Wie Rosinger erklärt, wurde die Zeichnungsfrist erst gestartet, nachdem eine Stellungnahme der FMA und ein Fachgutachten eingeholt wurden.

Angeboten werden 710.714 auf Inhaber lautende Stückaktien zu einem Ausgabepreis von 2,80 Euro. Die Mindestzeichnung liegt bei 358 Stück pro Anleger. Aber was legt man sich mit der Aktie der NET New Energy Technologies AG eigentlich ins Portfolio? Konkret handelt es sich dabei um eine Holding, die jeweils 100 Prozent an den ukrainischen Technologieunternehmen KMWP und KW Energetik hält. Neben leistungsstarken Industriedampf- und Heißwasserkesseln werden auch einschlägige Anlagen-Komponenten sowie schlüsselfertige Komplett-Anlagen für den Industrie- und Kraftwerksbereich produziert.

Soweit, so gut. Besonders interessant ist, dass der Fokus auf Anlagen liegt, die Biomasse als Brennstoff nutzen. Dazu gehören einerseits Abfallholz und Abholzungsreste wie Hackschnitzel und Holzpellets und andererseits landwirtschaftliche Abfälle wie Sonnenblumenschalen und Stroh. Die Vorteile der Nutzung dieser Brennstoffe: Sie sind nicht nur besonders kostengünstig, sondern gelten auch als CO2-neutral. Die Tatsache, dass die Energieträger regional bezogen werden – in der Ukraine fallen jährlich 70.000 Tonnen an landwirtschaftlichen Abfall an – unterstreicht den „grünen“ Touch zusätzlich.

Ein künftiger Dividendentitel?

Hauptaktionär der NET New Energy Technolgies AG ist mit einem Aktienanteil von 92,95 Prozent der ukrainische Vorstand und Unternehmensgründer Oleksii Parkhomenko. 5,09 Prozent – und damit die zweitgrößte Position – hält die Rosinger Anlagentechnik GmbH & Co. Letztere gehört zur Rosinger Group, deren Generaldirektor und Besitzer Rosinger ist. Er ist seit 1985 als Investor am Kapitalmarkt tätig und hat weltweit 63 Unternehmen an die Börse gebracht und rund 300 Kapitalmarktransaktionen – unter anderem Bonds und Convertibles – begleitet.

Was hat den Investor dazu bewogen, bei der NET New Energy Technologies einzusteigen? Laut Rosinger müssten bei seinen Investments drei Voraussetzungen erfüllt werden: Er kennt und versteht die Branche, in der das Unternehmen tätig ist. Die Eigenkapitalquote – und damit die Ausgangsbasis, um Wachstumsfinanzierungen zu ermöglichen – ist entsprechend hoch. Dazu kommt, dass das Objekt der Begierde von einem oder mehreren Megatrends profitiert.

Mit knapp 94 Prozent (per Einzelabschluss zum 31.12.2018) passt die Eigenkapitalquote des Energietechnik-Spezialisten jedenfalls. „Ich kenne an der Wiener Börse eigentlich nur ein weiteres Unternehmen (die Gurktaler AG, Anm.) mit einem derart hohen Wert“, meint er. Gleichzeitig profitiert es von mehreren sogenannten „Megatrends“ – die aktuell wichtigsten für den Investor: Klimaschutz, Digitalisierung, Energie und Landwirtschaft.

„Angesichts des für die kommenden Jahre prognostizierten starken Zuwachses derWeltbevölkerung wird das Thema Ernährung noch wichtiger“, so Rosinger. Die Folge: der Bedarf an landwirtschaftlicher Produktion und Energie sollte stark steigen.

Gleichzeitig müsse in diesem Zusammenhang auch der Klimaschutz berücksichtigt werden.

Nicht von der Hand zu weisen ist sicherlich die geringe Liquidität der Aktie mit einer Marktkapitalisierung von 16 Millionen Euro. Auch darf bis auf weiteres nicht mit einer Dividende gerechnet werden. Das könnte sich allerdings ändern. Rosinger verweist auf die Pläne der NET New Energy Technologies, eigene Biomasse-Kraftwerke mit Agrarabfällen zu betreiben. Nachsatz: „Mittel- und langfristig könnte das Unternehmen zu einem Energieversorger und Dividendentitel werden.“