Noch Luft nach oben

Noch Luft nach oben

Last Updated on 2019-06-29

Börsen-Kurier / Brigitta Schwarzer, 13.06.2019

HV der Eyemaxx Real Estate in München vor kompetentem Publikum

Die in Deutschland und Österreich – vorwiegend im Bereich Wohnimmobilien tätige Eyemaxx Real Estate AG war im Geschäftsjahr 2017/2018 gut unterwegs. Die Projektpipeline ist mit einer Milliarde Euro gefüllt, das auf zwei Säulen ruhende Geschäftsmodell „Develop and Sell“ und „Develop and Hold“ scheint sich zu bewähren, auch wenn der aktuelle Börsenkurs das nicht widerspiegelt. Die Anfang des Jahres erfolgte Zweitnotiz (neben dem Listing in Frankfurt) im neuen Marktsegment direct market plus der Wiener Börse soll die Visibilität bei österreichischen Investoren erhöhen.

Wäre weniger mehr?

Gründer und CEO ist Michael Müller. Er kennt sein Unternehmen wie kein Zweiter. Und das seit mittlerweile 25 Jahren. Müller schüttelte bei der HV auch jedes Detail zur Geschäftstätigkeit und -entwicklung spontan aus dem Ärmel.

In rasender Geschwindigkeit zählt er alle Asset-Klassen auf, die von der Gesellschaft bedient werden: Fachmarktzentren, seit dem IPO in Frankfurt 2011 primär Wohnimmobilien, auch Pflegeeinrichtungen, aus denen man sich jetzt aber wieder zurückziehe, Stadtquartiersentwicklungen, Hotels, Mikroapartments. Projekte über Projekte in Deutschland und Österreich, sodass man schon bei der Aufzählung fast den Überblick verliert.

Auch die Finanzierung läuft über alle in Frage kommenden Schienen: Kreditaufnahmen, Kapitalerhöhung, diverse Anleihen, darunter zwei Wandelanleihen. 65 Mitarbeiter und rund 75 Beteiligungsgesellschaften erzielten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 einen Bilanzgewinn von knapp fünf Millionen Euro. Müller hat fraglos alles im Griff und die Analysteneinschätzungen für das laufende Geschäftsjahr gehen durchwegs von einem konstanten Wachstum aus. Doch drängte sich dem kleinen, feinen Publikum von knapp 40 interessierten Aktionären, die rund 54 Prozent des Grundkapitals vertraten, schon bei seiner Präsentation die leise Frage auf: Wäre hier weniger möglicherweise mehr?

Kompetentes Publikum

Das war auch das beherrschende Thema in der Generaldebatte, die äußerst kompetent und professionell verlief. Und Müller scheute sich nicht, kritische Anmerkungen zu würdigen. Ja, die Aktienkursentwicklung sei nicht zufriedenstellend, sodass es unsicher sei, ob es bei den beiden Wandelanleihen, die Ende 2019 fällig werden, tatsächlich zur Wandlung kommen wird. Für dieses Risiko sei liquiditätsmäßig Vorsorge zu treffen. Ja, es sei die Absicht, die Dividende von 0,20 Euro je Aktie (knapp 25 Prozent vom Ergebnis nach Steuern), die zurzeit Restriktionen der Hauptgläubiger der Wandelanleihen unterliegt, künftig auf 0,30 Euro je Aktie zu erhöhen. Ja, es sei verständlich, dass die Aktionäre mit ihrer Zuteilung nicht zufrieden sind, und er schließe sich durchaus dem Vorschlag an, bei der Begebung einer nächsten Anleihe den Aktionären eine Vorzugsstellung einzuräumen, sofern die Rahmenbedingungen dies zuließen. Dass auch bei den laufenden Kosten Einsparungen möglich sind, wollte Müller nicht so recht gelten lassen und verwies auf die immer gegebene Profitabilität des Geschäfts, aus den kleinteiligen Projekten habe man sich aus Kostengründen sowieso schon zurückgezogen.

Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass alle Redner dem Vorstand Lob und Dank für seinen Einsatz zum Wohle der Gesellschaft aussprachen. Diese Einstellung zeigte sich auch im Stimmverhalten. Bei den fünf Tagesordnungspunkten, über die abzustimmen war, lag die geringste Zustimmung bei 99,62 Prozent.

Der Börsen-Kurier im Gespräch

Interessant waren die informellen Gespräche mit Vorstand, Aufsichtsrat und dem Vertreter des DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) im Anschluss an die HV. Mit Ausnahme von zwei, drei Aktionären, die jährlich vielen Hauptversammlungen die Ehre geben, waren die meisten Teilnehmer nicht dem klassischen Hauptversammlungspublikum zuzuordnen. Warum Müller auf die Börsenotiz Wien in der Hauptversammlung gar nicht einging, lag daran, dass sich das neue Marktsegment und die Gesellschaft noch nicht „gefunden“ haben, sodass das Handelsvolumen Potenzial nach oben hat. Da hat Eyemaxx wohl noch einige Hausaufgaben zu erledigen.

Fazit der Hauptversammlung

Alles in allem: Eine erfreuliche HV, unaufgeregt und ohne Schnörkel, aber dennoch mit einem gewissen Charme.

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