„Seniors4You“

„Seniors4You“

Christine Domforth / Brigitta Schwarzer

Für ältere Menschen wird es coronabedingt in Zukunft am Arbeitsmarkt schwieriger werden. Untätig bleiben müssen tatkräftige PensionistInnen dennoch nicht, kleinere Arbeiten wie die Erledigung von Besorgungen, Reparaturen im Haushalt, Rasenmähen, Nachhilfe etc. werden auch in Zukunft gefragt sein. Und der misslungene Dienstleistungsscheck könnte nach einer gründlichen Reform doch noch ein Erfolgsmodell werden.

Die Corona-Pandemie hat uns alle getroffen. Und die wirtschaftlichen Folgen werden wir – ob mit oder ohne zweite Welle – noch lange spüren. Schon im Herbst ist mit einer Insolvenzwelle zu rechnen, viele werden die gestundeten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sowie Kredite nicht zurückzahlen können. Die Zahl der Arbeitslosen und der Menschen in Kurzarbeit dürfte hoch bleiben bzw. im Winter sogar noch steigen.

Bereits jetzt zeigt sich, dass die Corona-Pandemie jüngere Menschen wirtschaftlich härter trifft als Ältere. Jüngere Mitarbeiter werden von den Betrieben in der Regel als erste abgebaut. Das ist umso bedauerlicher, als bereits die Finanzkrise ab 2008 für junge Erwachsene deutliche wirtschaftliche Einbußen brachte. Der Trend geht in fast allen westlichen Industrieländern dahin, dass die Jungen ärmer werden als die Eltern. In der Vergangenheit haben – das geht aus einer Analyse des Instituts für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW) hervor – junge Menschen in Krisenzeiten die Familienplanung auf später verschoben. Wegen der Corona-Krise rechnen die Demografen auch für die kommenden zwei oder drei Jahre mit sinkenden Geburtenraten (siehe Presseartikel „Wiener Zeitung“ vom 13.07.2020).

Junge von der Krise stärker betroffen

Corona bedeutet für Pensionisten gesundheitlich eine erhöhte Gefahr, finanziell sind sie bisher aber weitgehend ungeschoren davongekommen. Sie bekommen pünktlich ihre redlich verdiente Pension überwiesen, Existenzangst ist für sie kein Thema. Natürlich wird es für die Oldies in nächster Zeit schwieriger werden, freiwillig länger im Erwerbsleben zu bleiben oder in der Pension noch etwas dazuverdienen. Aber seien wir doch ehrlich, die Jungen, von denen sich viele während des Lockdowns um Senioren gekümmert, beispielsweise für sie einkauft haben, müssen sich erst ihr Leben erst aufbauen. Sie brauchen die Jobs oder auch den Zuverdienst dringender als die ältere Generation.

Ohne den Generationenkonflikt hochzuschaukeln oder wieder einmal Jung gegen Alt auszuspielen: Die älteren Menschen werden vom Kuchen, der in Zukunft zu verteilen ist, ein Stück an die junge Generation abgeben müssen. Und der Kuchen wird mit Sicherheit nicht größer werden, wenn die Wirtschaft sich von der Pandemie erst langsam erholt und die Milliardenschulden, die der Staat jetzt für die Corona-Hilfen macht, eines Tages wieder zurückzuzahlen sind.

Wenn alle profitieren…

Trotzdem müssen sich die rüstigen Senioren in Zukunft nicht überflüssig fühlen. Sie sollten vielmehr umdenken, sich neu orientieren und auch ihre Lebenserfahrung einsetzen. Was können wir tun, damit sowohl die jüngere Generation als auch die Älteren profitieren? Auf den Punkt gebracht: „Seniors4You“ könnte eine Win-win-Situation sein.

Es geht dabei beispielsweise um kleinere Handwerks- und Ausbesserungsarbeiten. Für Firmen lohnen sich Aufträge wie der Tausch von kaputten Glühbirnen oder das Säubern eines verstopften Abflusses kaum, geschickte SeniorInnen könnten sich hier ebenso einbringen wie bei der Gartenpflege oder diversen Hausarbeiten. Nachhilfe und Babysitten bzw. Kinderbetreuung – natürlich unter Einhaltung aller Corona-Vorschriften – wären weitere Betätigungsfelder für ältere Damen & Herren. Detto das Erledigen von Besorgungen, Behördenwegen sowie die Entsorgung von Problemstoffen. Niemand sollte sich dafür zu schade sein. Ginge der eine oder andere Prominente hier mit gutem Beispiel als Vorreiter voran, dann wären solche Aktivitäten bald „gesellschaftsfähig“, ja sogar hoch angesehen.

All das sind einfache, für Privathaushalte typische Dienstleistungen, für die keine eigene Gewerbeberechtigung erforderlich ist. Eine Konkurrenzschiene zu gewerblichen Tätigkeiten soll damit keinesfalls aufgebaut werden.

Kampf der Einsamkeit

Doch die Palette der sinnvollen Tätigkeiten ist noch weit größer. Eines der großen Themen unserer Zeit ist die Einsamkeit. Um dagegen anzukämpfen, könnten Senioren anderen Senioren, aber auch jüngeren Menschen Gesellschaft leisten oder als Ansprechpartner dienen – quasi als Psychotherapie „light“. Aktive Senioren könnten mit ihresgleichen Ausflüge machen, Kunst- und Kulturveranstaltungen besuchen etc. Wer körperlich eingeschränkt, aber geistig noch gut beisammen ist, freut sich mit Sicherheit über einen Gesprächspartner, der die gleichen Interessen hat. Ob dann über Politik, irgendein Wissensgebiet oder über Fußball diskutiert wird, ist egal. Hilfe bei Behördenwegen oder bei Computerproblemen wäre in vielen Fällen ebenfalls hoch willkommen.

Faires Honorar

Was nichts kostet, ist nichts wert. Deshalb sollten alle genannten Dienstleistungen nicht unentgeltlich erbracht, sondern entsprechend honoriert werden. Dabei darf der pensionierte Schuldirektor fürs Rasenmähen dem netten Nachbarn gerne etwas mehr zahlen als die Mindest-Pensionistin.

Dienstleistungsscheck neu

Abwickeln könnte man die Bezahlung über den Dienstleistungsscheck. Er wurde im Jahr 2006 in Österreich eingeführt, um personennahe Dienstleistungen im Privathaushalt offiziell zu entlohnen und so die Schwarzarbeit zu bekämpfen. Bisher war dieses Instrument allerdings ein veritabler Flop, in den meisten Haushalten arbeitet die Putzfrau auch heute „schwarz“. Schuld daran war nach Meinung von Experten vor allem die sehr bürokratische Abwicklung. Wenn man aber den Dienstleistungsscheck, der neben der Entlohnung auch noch eine Unfallversicherung umfasst, „neu denkt“, den heutigen Bedürfnissen von Dienstleistern und Dienstleistungsempfängern anpasst und dafür auch entsprechend die Werbetrommel rührt, könnte aus dem Flop ein Erfolgsmodell werden, von dem alle Beteiligten profitieren.

Wie denken Sie darüber? Soll die ältere Generation jetzt zugunsten der Jungen etwas zurückstecken? Wie denken Sie über das Modell „Seniors4You“? Halten Sie den Dienstleistungsscheck für ein sinnvolles Modell? Oder haben Sie eine andere Idee, wie sich aktive Senioren sinnvoll für andere betätigen können? Sollte es parallel auch eine Initiative „Juniors4You“ geben?

Ich bitte Sie ausdrücklich um Ihre Stellungnahmen, Vorschläge Diskussionsbeiträge etc. Ihre Meinung ist gefragt (bitte per Mail an brigitta.schwarzer@inara.at).