Stress, Handy, Zucker: Was wir in der Fastenzeit sparen – und wie wir durchhalten können

Stress, Handy, Zucker: Was wir in der Fastenzeit sparen – und wie wir durchhalten können

Last Updated on 2020-03-05

Salzburger Nachrichten / Michaela Hessenberger, 24.02.2020

Hand aufs Herz: Wer hat seine guten Vorsätze von Silvester schon am 2. Jänner über Bord geworfen? Kein Problem, eine zweite Chance gibt es mit dem Start der Fastenzeit. Die SN haben sich nach Fasten-Tipps umgesehen, die auch umsetzbar sind.

Fasten – da kommt den meisten von uns sofort die Verbindung zum Abnehmen in den Sinn, zum „Detoxen”, also Entgiften. Jedenfalls zum Kürzertreten beim Essen. Doch das ist bei Weitem nicht das Hauptthema in den kommenden Tagen bis Ostern.

Das wissen jene, die die Fastenzeit mit spirituellem Hintergrund, aus dem Glauben heraus, angehen. Grundsätzlich ist zu klären, ob Gott in den kommenden Wochen eine Rolle spielen soll – oder nicht.

Was wir jedenfalls brauchen:

* einen Aschermittwoch – als Start nach dem Fasching mit Partys und Krapfen.

* einen Ostersonntag – damit die Zeit der Mühsal und des Verzichts einen Rahmen und damit auch wieder ein Ende hat.

* Dazwischen 40 Tage (eher symbolisch als mathematisch – denn die Fastenzeit dauert von   26. Februar bis 12. April, also genau genommen 46 Tage lang. An den Sonntagen darf
übrigens das Bemühen unterbrochen werden).

* Und jetzt das Wichtigste: einen ordentlichen Plan, WAS gefastet werden soll.

Ins Fasten – wie auch immer es aussieht – soll man übrigens fröhlich starten. Das steht auch schon in der Bibel und zwar bei Matthäus. Originalwortlaut: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen.” Grantelnd fasten tut demnach weder der Sache noch den Mitmenschen gut. Also forsch und frohen Mutes voran!

Variante 1: Achtsamkeit

Wir kennen das Thema von Lifestyle-Blogs und -Magazinen gut, von der Slow-cooking- oder der Slow-living-Bewegung. Hauptsache alles slow, also langsam. Und mit Bedacht. Entspannung fängt im Kopf an. Dazu brauchen wir … Ruhe. Wer in der Fastenzeit Achtsamkeit trainieren möchte, kann sich jeden Tag eine Auszeit nehmen. Wo? Wieso nicht daheim? Am besten eine ruhige Ecke herrichten mit Sessel, Polster, Kerze, Tee. So schafft man eine angenehme Atmosphäre zum Ruhigwerden.

Vorab bitte noch sicherstellen, dass weder Partner noch Hund noch Kinder hereinwuseln und stören. Gedanken schweifen nicht besonders weit, wenn im Nebenzimmer gekreischt, telefoniert oder Fußball geschaut wird. Das darf man von seinen Mitbewohnern freundlich verlangen. Nachher ist man ohnehin wieder voll im Einsatz. Doch die stillen 20 Minuten gehören einem ganz allein. Wobei: 20 Minuten in aller Stille können recht lang werden.

Was tun? Wer mit Gott etwas anfangen kann, kann sich Gebete herrichten oder kleine Texte und über die nachdenken. Wenn Google nichts hergibt: Websites der Diözesen besuchen. Linz ist mit Impulsen gut dabei, Wien sowieso. Papst Franziskus lädt ein, während der Fastenzeit SMS von ihm zu erhalten. Ok, vielleicht nicht ganz persönlich von ihm, aber fast; dazu eine SMS mit PAPST an 0664/6606651 schicken und gratis Impulse bekommen. Wer mit Gott eher wenig am Hut hat, schnappt sich eine Postkarte mit schöner Landschaft und träumt sich hin. Hauptsache eine Auszeit ganz für sich im sowieso recht hektischen Alltag. Stressfasten quasi.

Variante 2: Technikentzug

Alle 18 Minuten schauen wir im Durchschnitt nach, ob sich am Smartphone etwas Neues getan hat. Fasten darf aber auch ein bisserl wehtun. Wer mutig ist, legt also das Handy aus der Hand. Und zwar nicht nur kurz einmal, sondern lang. Wer es 40 Tage ausdreht und wegsperrt, entscheidet sich für die Hardcore-Variante. Softies entscheiden sich für drei oder fünf Mal am Tag nachschauen oder für maximal 15 Minuten Herumsurfen.

Was wir davon haben? Dreieinhalb Stunden pro Tag, mit denen wir etwas anders anfangen können, als den Blick starr aufs Display zu richten. Dreieinhalb Stunden. Das bedeutet mehr reden mit Freunden und Familie, Menschen im Bus oder Zug auch mal wieder direkt anschauen und weniger Risiko, auf der Straße überfahren zu werden, weil man lieber Nachrichten als den Verkehr checkt.

Variante 3: Zuckerfreie Zeit

Wenn wir ehrlich sind, werden sich nicht viele vom herkömmlichen Fasten in diesen 40 Tagen abbringen lassen. Also sparen wir uns am besten etwas, das wirklich schädlich ist: Zucker. Buchläden sind voll von Ratgebern, wie man vom Süßen wegkommt. Warum man sich das süße Gift sparen soll? Abgesehen von Zähnen und Bauchumfang freut sich auch das Hirn, wenn es „entwöhnt” wird. Wissenschaftler stellen immer wieder Zusammenhänge zwischen zu viel Zucker und Krankheiten wie Demenz her. Von Karies ganz zu schweigen. Wer Zucker fasten will, darf sich gleich auf Entzugserscheinungen gefasst machen: Kopfweh, Unruhe, Müdigkeit. Oder Schlaflosigkeit. Am Anfang wird der Körper reagieren. Was man tun kann, um durchzuhalten? Genug essen zu den Hauptmahlzeiten, vor allem Eiweiß. Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier, Nüsse. Das macht satt und schützt vor Heißhungerattacken. Dann heißt es genau hinschauen: Zucker ist an den unerwartetsten Orten zu finden. In der Wursthaut zum Beispiel. Oder in Light-Produkten. Denn wenn Fett fehlt, kommt oft Zucker als Ausgleich dazu. Die Produkte sollen ja nach was schmecken.

Wer Zucker fasten will, wird wahrscheinlich mehr selbst kochen als sonst. Eine doppelte Challenge gewissermaßen. Ob das Extrapunkte am Weg in den Himmel bringt, ist allerdings unverbrieft.

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