Und wieder zahlt die Jugend die Zeche

Und wieder zahlt die Jugend die Zeche

sn.at / Hermann Fröschl, 20.06.2020

In welcher Altersgruppe steigt die Arbeitslosigkeit durch Corona am stärksten? Wer darf künftig die riesigen Schuldenberge abtragen? Und wen wird der Klimawandel mit voller Wucht treffen?

Das Faktum, dass die Jugend in diesem Land zu kurz kommt, haben wir schon oft thematisiert. So hat Salzburg zwar eine Universität, doch im Stadtbild spürt man von den Studenten wenig. Weil Kommerz und Tourismus alles dominieren, ist die Jugend bestenfalls eine geduldete Randerscheinung. Auch unter Salzburgs trauriger Spitzenposition bei den Wohnungspreisen leiden die Jungen besonders. Kein Wunder, dass viele wegen der hohen Kosten und fehlenden Perspektiven Reißaus nehmen und nach Oberösterreich oder Wien gehen.

Und jetzt Corona: Nicht genug damit, dass die Schüler als digitale Versuchskaninchen einer veralteten Schulorganisation herhalten mussten. Gerade die ohnehin trostlose Salzburger Arbeitslosenstatistik fällt für die Jungen besonders trostlos aus. Der Anstieg in der Altersgruppe der bis 25-Jährigen liegt mit plus 125 Prozent noch deutlich über dem ohnehin verheerenden Schnitt. Zeitgleich ist das Angebot an Lehrstellen eingebrochen. Das nährt den Verdacht, dass es speziell die Jungen sind, die in der Krise unter die Räder kommen. Sie stehen auf den Kündigungslisten ganz oben, was die Kurzsichtigkeit mancher Arbeitgeber bloßstellt. Die Aussichten der Jungen auf Jobs und guten Verdienst haben sich jedenfalls massiv verschlechtert – wohl auf Jahre.

Spöttisch könnte man sagen, all das passe hervorragend ins große Ganze. Künftige Generationen tragen immer schwerer an den Lasten, die derzeit aufgetürmt werden. Da gibt es einen Generationenvertrag, der auf tönernen Beinen steht, weil die Finanzierung des Pensionssystems auf Dauer so nicht gelingen wird. Da sind immense Schuldenlasten, die die öffentlichen Hände auch wegen Corona anhäufen müssen – auf Kosten der künftigen Steuerzahler. Und da ist der Klimawandel, der das Leben auf unserem Planeten bedroht – auf Kosten nächster Generationen.

All das macht deutlich, dass nicht nur regionale, sondern besonders globale Fliehkräfte wirken. Offenkundig wird das erstens an der politischen Unfähigkeit, dem Klimawandel global entgegenzutreten. Und zweitens an einem permanent im Ausnahmezustand agierenden Finanzsystem. Der langfristig explosive Mix aus Geldfluten und Nullzinsen durch die Notenbanken macht jene, die sparen, längst zu den Dummen. Sie verlieren permanent Wohlstand, während sich jene die Hände reiben, die zocken und auf Pump leben. Gerade Salzburg hat mit dem Finanzskandal in der Landesverwaltung leidvoll erfahren müssen, wie rasch dieses tendenziell exzessive System an den Abgrund führen kann. Trotzdem wird es seit bald 20 Jahren von den Notenbanken befeuert und verfestigt sich in der Coronakrise weiter. Die sich global auftürmenden Schuldenberge – Österreich und Salzburg wirken hier übrigens fast wie Musterschüler – werden bald doppelt oder drei Mal so hoch sein wie noch vor zwölf Jahren. Und das nehmen alle achselzuckend hin, obwohl die Logik zwangsläufig in eine Sackgasse führt. Irgendwann drohen Inflation oder ein Währungsschnitt. Aber es trifft eh erst künftige Generationen. Und wen kümmert das heute schon? Nun muss man berücksichtigen, dass auch die Jungen vom Wohlstand, der bei uns geschaffen wurde, profitieren. Es werden Summen vererbt, die vor Kurzem noch unvorstellbar waren. Das mag viele beruhigen, darf aber trotzdem nicht als Ausrede herhalten, der Jugend ihre Zukunftsperspektiven zu verbauen.

Man darf auch nicht übersehen, dass in Salzburg politisch einiges versucht wird, um mehr Lehrstellen zu schaffen. Auch in Sachen Digitalisierung der Wirtschaft scheint der Groschen gerade zu fallen: In der Landespolitik setzt sich die Einsicht durch, dass das nicht nebenbei geht, sondern nur mit starkem Anschub und Plan. Trotzdem bleibt entscheidend und offenkundig, dass der Jugend mehr denn je eine starke politische Lobby fehlt – auch weil ihre numerische Stärke sinkt. Am Beispiel Salzburgs: Die bis 20-Jährigen stellen nur noch ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Hingegen wächst die Zahl der über 65-Jährigen stark – und wird in absehbarer Zeit ein Drittel aller Bürger ausmachen. So agiert selbst der so junge Bundeskanzler mehr für die Senioren als für seine Altersgruppe. Die Chance auf Wahlsiege steigert das halt erheblich.

Nur zweierlei nährt leichte Hoffnung auf eine Umkehr: Erstens ist die Jugend aus ihrer politischen Agonie erwacht. Sie geht wieder auf die Straße, macht gegen die Klimakrise oder Rassismus mobil und vielleicht ja bald auch gegen das Finanzsystem. Und zweitens treffen die Schieflagen zunehmend auch Ältere. Ein Schulterschluss der Generationen ist fällig, wäre der doch das wirksamste Druckmittel auf die Politik, den Verrat an künftigen Generationen zu stoppen.

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