WIE MAN MIT GELD DIE WELT VERÄNDERT

WIE MAN MIT GELD DIE WELT VERÄNDERT

Last Updated on 2020-09-08

Dr. Heidrun Kopp in Five Minutes for Finance, 04.09.2020

Nachhaltige, grüne und soziale Fonds sollten bei der Veranlagung stärker als bisher berücksichtigt werden.

Seit Wochen sitzen die meisten von uns entweder überhaupt in Quarantäne oder jedenfalls zu Hause im Home Office. Liebgewordene Gewohnheiten, die wir als selbstverständlich angesehen haben, gehen schmerzlich ab. Mehr Zeit zum Nachdenken gibt es auch, z.B. darüber, was der Alltagswahnsinn so mit uns macht, und wieviel wir wirklich von dem brauchen, woran wir uns vermeintlich gewöhnt haben. Gleichzeitig sind wir direkt oder zumindest indirekt von den wirtschaftlichen Auswirkungen für kleine, regionale Händler und Dienstleister betroffen. Ohne globale Strukturen generell zu verdammen, ist jetzt die Zeit, sich der Vorteile der regionalen Wirtschaft bewusst zu werden. Und was es bedarf, damit diese nachhaltig – nicht nur in Krisenzeiten – zur Verfügung steht. Plötzlich gibt es Websites (z.B. „nunukaller.com“; „wirschaffendas.at“; „gemeinsamschaffenwirdas.at“), die eine ungeahnte Fülle an regionalen, nachhaltigen Dienstleistern und Händlern zeigen. Produkte, bei denen ein großer Teil an Wertschöpfung (und damit Arbeitsplätze) in Österreich entstanden ist und auch hier versteuert wird.

„Gesundheits-Check“ für die eigenen Finanzen

Diejenigen unter uns, die sich nicht um die unmittelbaren Auswirkungen des Corona-Virus kümmern müssen, haben genau jetzt Zeit, sich um ihre finanzielle Gesundheit zu kümmern.  – Und auch hier gibt es professionelle, regionale Initiativen, die gerade jetzt vor den Vorhang gehören.

Bei Lebensmitteln und Kleidung schauen wir zunehmend auf Bio-Qualität sowie darauf, dass bei der Herstellung keine Kinderarbeit zum Einsatz gekommen ist und der ökologische Fußabdruck so klein wie möglich ist. Die gleichen Ansprüche sollten wir auch bei der Veranlagung unseres Geldes stellen. Hast du gewusst, dass auch ein Investmentfonds einen ökologischen Fußabdruck hinterlässt? 

Das Wiener Sozialunternehmen ESG plus bietet unter der Vergleichsplattform CLEANVEST (www.cleanvest.org) eine Über­sicht von rund 3300 nachhaltigen Fondsprodukten, die von heimischen Banken und Fondsgesellschaften (www.voeig.at) angeboten werden. Seit Anfang des Jahres wird das sechsköpfige Österreich-Team von Elisabeth Müller geleitet. Gegründet wurde die Plattform 2015 von Armand Colard, der ursprünglich beim WWF war, und sich seit Anfang des Jahres um die Expansion nach Deutschland kümmert.

Je nach eigener Präferenz kann man hier (kostenlos) Fonds suchen, die grüne Technologien oder Bildung und Gesundheit in den Vordergrund stellen. Oder man will durch das eigene Investment Unternehmen stärken, die nicht Lebensräume von indigenen Völkern oder bedrohten Arten gefährden. Je nach individueller Wertehaltung kann man das eigene Investment entsprechend filtern, auf eine Merkliste stellen und dort einige Zeit die wirtschaftliche und nachhaltige Performance der eigenen Auswahl verfolgen. Erst dann kann man, wenn man sich sicher ist, den jeweiligen Fonds online oder über einen Bankberater kaufen, als eine von vielen Möglichkeiten u.a. für das eigene Alter vorzusorgen.

Jede Entscheidung für einen nachhaltigen, grünen oder sozialen Fonds signalisiert dem Fondsmarkt und den Unternehmen, was wir als KonsumentInnen und AnlegerInnen heute und in der Zukunft von der Wirtschaft erwarten.  Nach dem Motto: Dein Geld für eine bessere Welt.

Investmentfonds. Ein Investmentfonds (umgangssprachlich auch oft nur „Fonds“) sammelt das Geld von vielen AnlegerInnen. Dieses Vermögen wird von ExpertInnen (FondsmanagerInnen) je nach Risikoappetit in Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffen (z.B. Gold) entweder in Aktien (Aktienfonds) oder Anleihen (Anleihenfonds) veranlagt. Der Vorteil dabei besteht in der Risikostreuung durch Diversifikation: Wenn sich eine Anlageklasse (Anleihen/Aktien) innerhalb des Fonds schlecht entwickelt („Performance“), kann dies von der Performance der anderen Papiere in diesem Fonds aufgefangen werden. Also: die Verluste von einem Investment können durch die Gewinne von anderen Investments ausgeglichen werden. Für das Management von ExpertInnen fallen im Fonds Kosten an („Verwaltungsgebühr“), im Vertrieb werden auch oft zusätzlich Spesen für die Beratungsleistung verrechnet.

 


@Edith Walzl, Heidrun Kopp, Leiterin Institut für nachhaltiges Finanzwesen