Wie weiter?

Wie weiter?

Last Updated on 2020-04-19

Martin Sprenger, Public-Health-Experte aus Graz und bis vor einer Woche Mitglied im Expertenbeirat der Corona-Taskforce, schickt uns einen Brief mit einem Interview gegen sich selbst. Darin reflektiert er, was wir wissen und was nicht, vor allem aber, was wir jetzt tun könnten.

Lieber Herr Fleischhacker,

seit der Veröffentlichung unseres Gesprächs auf Addendum42 ist zwar nur eine Woche vergangen, aber es kommt mir vor wie ein Monat. Die pandemische Zeit fließt anders, zumindest für mich. Die Woche war sehr turbulent. Auf unser Interview habe ich ausschließlich positives Feedback bekommen, auch von vollkommen unerwarteter Stelle. Der Rückzug aus der Taskforce hängt damit überhaupt nicht zusammen, hat mir aber meine bürgerliche und wissenschaftliche Meinungsfreiheit zurückgegeben, was sich sehr gut anfühlt. Dieser Rückzug hat mehr Wellen ausgelöst als mir recht ist, aber was soll’s. Mit Armin Wolf muss ich auf jeden Fall noch ein ernstes Wort reden :-).

Wie Sie wissen, wollte ich mich eigentlich zunächst nicht mehr zu Wort melden. Aber die vielen Gespräche, die ich seit Erscheinen unseres Interviews geführte habe – auch mit Ihnen –, haben mich dazu veranlasst, den Stand der Dinge noch einmal zusammenzufassen, diesmal auch unter Verweis auf viele andere Quellen, in die sich jeder Addendum-Leser vertiefen kann. Ich beginne hier einen Brief, weil wir in einem unserer Telefonate davon gesprochen hatten, dass so ein Briefwechsel eine interessante Form sein könnte, das Geschehen dialogisch zu begleiten und weil ich dachte, dass ich meine Gedanken als Gesundheitswissenschaftler in dieser Form besser ordnen kann. Aber dann habe ich bemerkt, dass ich auch für mich selbst eher dialogisch denke als verkünderisch, und so ist aus diesem Brief doch wieder ein Interview geworden, wenn auch eines mit mir selbst. Interessanterweise kam es mir aber doch immer so vor, als hätten Sie mir die Fragen gestellt, so wie Sie es in den vielen Telefonaten getan haben, die wir während der vergangenen zwei Wochen geführt haben. Ich wusste also ziemlich genau, was Sie mich fragen würden, und natürlich wusste ich auch, was ich Ihnen antworten würde. Nämlich, dass das Einzige, was ich in dieser Pandemie sicher weiß, ist, dass ich noch immer viel zu wenig weiß.

Also:

Quelle / ganzes Interview: https://www.addendum.org/coronavirus/wie-weiter-sprenger/