„Wir machen weibliche Kompetenz sichtbar“

„Wir machen weibliche Kompetenz sichtbar“

Last Updated on 2020-01-20

Brigitta Schwarzer

frauendomaene.at ist eine frei zugängliche Datenbank, in der Expertinnen verschiedener Fachrichtungen zu finden sind. Reine Männerrunden in der Berufswelt, aber auch bei Diskussionsveranstaltungen sollen durch diese Initiative bald der Vergangenheit angehören, hoffen Sophie Rendl und Hannah Zach, die frauendomaene.at gemeinsam entwickelt haben.

„Wir haben keine qualifizierte Frau gefunden.“ Diesen Satz – er ist in Wahrheit eine faule Ausrede – wollen Sophie Rendl und Hannah Zach nie wieder hören. Deshalb gründeten die beiden jungen Frauen eine österreichweite Online-Datenbank für Expertinnen. „Mit der Website frauendomaene.at, die seit 9. Oktober 2019 im Netz öffentlich und kostenlos zugänglich ist, wollen wir Expertinnen aus allen Branchen sichtbar machen,“ betonen Rendl und Zach. Denn sie sind davon überzeugt, dass es in jedem Fachgebiet ausreichend weibliche Expertise gibt: „Wir machen die Hälfte der Bevölkerung aus, wir holen uns mehr als die Hälfte aller Studiendiplome ab. Wieso sollte jemand keine kompetenten Frauen finden?“

Bereits mehr als 600 Frauen registriert

Die Frauendomäne ist ein gemeinnütziger Verein. Unterstützt wird dieser von acht Beirätinnen, darunter Barbara Blaha, Maria Rauch-Kallat und Terezija Stoisits. Derzeit liegt der Fokus ressourcenbedingt auf Österreich, eine weitere Ausdehnung auf den deutschsprachigen Raum ist jedoch geplant. Ebenso sollen Fachgebiete und Expertinnen, die derzeit noch fehlen, nach und nach abgedeckt werden. „Das wären etwa Nichtakademikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen. Auch bei etwas älteren Frauen haben wir noch Nachholbedarf, da unser eigenes Netzwerk eher eine jüngere Generation abdeckt,“ sagt Rendl.

Bisher haben sich mehr als 600 Frauen verschiedener Fachrichtungen registriert. Das funktioniert ganz einfach über eine Eingabemaske. Wenn sich jemand neu auf der Website anmeldet, überprüfen Rendl und Zach die Profile auf Plausibilität und recherchieren dazu etwa im Internet oder LinkedIn. Wird ein Profil von den Expertinnen erstellt, wird es von ihnen mit Schlagworten – fünf bis zehn wären ideal – versehen. Ziel ist es, die Kompetenzen der eingetragenen Frauen so treffsicher wie möglich darzustellen. „Damit wird es Interessent*innen ermöglicht, das oder die passenden Profile von Expertinnen auszusuchen,“ so Zach. Die Datenbank bekommt laufend Zuwachs, pro Tag kommen im Schnitt fünf Eintragungen hinzu. Auch die Zahl der Schlagworte für die abgedeckten Qualifikationen wächst.

Per Suchfunktion zur passenden Expertin

Sophie Rendl ist Juristin, war die letzten Jahre im Vorstand des Forums Alpbach Network und befasst sich u. a. mit Fragen der Gleichberechtigung. Hannah Zach arbeitet als Kommunikationsberaterin mit Fokus auf Communities und Stakeholder-Strategien. Gemeinsam haben die beiden seit über einem Jahr mit ihrem Team, darunter auch eine Programmiererin und Grafikerinnen, an dem Projekt Frauendomäne gearbeitet. Ihr gemeinsames Ziel ist es, weibliche Kompetenz darzustellen und zwar in allen Altersklassen und auf allen Karrierestufen und generell so divers wie möglich. Medien, Event-Veranstalter oder Unternehmen können über frauendomaene.at mittels Suchfunktion passende Expertinnen für jeden Anlass finden und kontaktieren – etwa für Interviews, als Vortragende oder bei Podiumsdiskussionen. Mit anderen einschlägigen Organisationen, Datenbanken oder Initiativen steht man nicht in Konkurrenz, sondern setzt auf Zusammenarbeit. „Gegenseitiges Ausstechen ergibt für uns keinen Sinn,“ meinen Rendl und Zach.

„Wir wollen die ökonomische und gesellschaftliche Position von Frauen pushen“, betonen sie unisono. Expertise sei nicht bloß männlich, Experten und Expertinnen sollten nach Kompetenz und nicht nach Geschlecht ausgewählt werden. Den Gründerinnen gehe es im Übrigen um die Selbstbestimmung der Frauen. Diese sollten auch zu Hause bleiben oder Teilzeit arbeiten können – dazu bräuchte es aber weitere rechtliche Maßnahmen, wie zum Beispiel ein verpflichtendes Pensions- und Gehaltssplitting während der Karenz.

„Reine Männerrunden, wie man sie leider in der Berufswelt und auf Podien oft noch findet, sind im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß“, ist Rendl überzeugt. Den Vorwurf der umgekehrten Diskriminierung weist sie in diversen Interviews zurück. Man wolle den Männern durch die Expertinnen-Plattform nichts wegnehmen, sondern lediglich gegen das bestehende Ungleichgewicht ankämpfen. „Immerhin ist es wissenschaftlich erwiesen, dass gemischte Teams erfolgreicher agieren als reine Männerrunden.“

Privilegienabbau angestrebt

„Bei der ganzen Arbeit, die wir machen, geht es uns aber nicht nur um die Sichtbarkeit von Frauen, wir streben auch eine systemische Veränderung an,“ betont Rendl. Diese könne nur dann erreicht werden, wenn privilegierte Personen ihre Privilegien „herunterschrauben“, etwa zugunsten von Personen mit Migrationshintergrund. Angestrebt wird auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Zach hält Diversität für besonders wichtig: „Ich würde mir wünschen, dass Organisationen, Veranstalter*innen und Unternehmen eine Qualität darin sehen, Diversität in jeglicher Hinsicht zu leben und zu verankern. Das könnte uns sehr viel bringen.“ Wenn Frauen ihr Profil in die Datenbank einstellen, schärfe das auch ihr Selbstbewusstsein für die eigenen Stärken, meinen Zach und Rendl.

Neben der Datenbank bietet Frauendomäne auch diverse Services gegen Honorar an. Rendl und Zach unterstützen künftig in Form eines „Female Expert Search & Consulting“ Firmen und Organisationen dabei, passende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit weibliche Kompetenz sichtbar wird. „Podiumsdiskussionen müssen ja nicht unbedingt spät am Abend stattfinden. Vernünftige Beginnzeiten machen es auch Frauen mit Kindern möglich, daran teilzunehmen,“ nennt Rendl ein praktisches Beispiel.

Viele Pläne und ein ehrgeiziges Ziel

frauendomaene.at ist auf Facebook, Twitter, LinkedIn und Instagram vertreten, berichten die beiden Gründerinnen, wobei Facebook und Instagram die stärksten Kanäle sind. Gearbeitet wird derzeit an einem Blog, ein Frauendomäne-Newsletter erscheint einmal pro Monat. Weiters ist eine eigene Veranstaltungsreihe für die in der Datenbank gelisteten Damen geplant. „Wir wollen 2020 mit zwölf Events in Form von kleinen Workshops starten,“ so Zach und Rendl.

Die beiden Gründerinnen von frauendomaene.at haben natürlich auch eine Vision: „Unser Ziel ist es, dass die Sichtbarkeit von Frauen eines Tages völlig selbstverständlich ist und es uns nicht mehr geben muss.“


@Same Same Studios

www.frauendomaene.at