Wissen, das sich bezahlt macht

Wissen, das sich bezahlt macht

Last Updated on 2020-02-20 Dr. Christine Domforth

Finanzbildung erleichtert die Schaffung finanzieller Ressourcen für den Vermögensaufbau und -erhalt sowie die Pensionsvorsorge und Pensionssicherung.

Um die finanzielle Allgemeinbildung der Österreicher ist es nicht gut bestellt. 48 Prozent von ihnen sagen, dass ihr Finanz- und Wirtschaftswissen gar nicht oder weniger gut ist. Männer verfügen laut eigener Einschätzung über höheres Finanzwissen, knapp die Hälfte von ihnen beurteilt es als gut oder sehr gut, während sich nur ein Drittel der Frauen selbst als Finanzprofis bezeichnet. Das Aufholpotenzial beim Finanz- und Wirtschaftswissen ist also insgesamt erheblich. Mehr oder weniger große Wissenslücken haben vor allem Frauen, jüngere Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und vergleichsweise niedrigem Bildungsniveau sowie Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

In unsicheren Zeiten besonders wichtig

Dabei ist zumindest ein Basiswissen über Finanz- und Wirtschaftsthemen im Alltag unbedingt erforderlich. Noch wichtiger ist Finanzbildung dann, wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau und die finanzielle Vorsorge für den Ruhestand geht. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen einerseits die Zinsen de facto bei null liegen, andererseits die Kapitalmärkte sehr volatil sind und die angebotenen Anlageprodukte immer komplexer werden.

Umfragen zeigen, dass Gesundheit und Pension für die Österreicher die mit Abstand wichtigsten Vorsorgethemen sind. Vielfach besteht Skepsis, ob das Gesundheitswesen und das staatliche Pensionssystem auch in Zukunft auf dem gewohnten Niveau aufrechterhalten werden können. Das Pensionskonto ermöglicht seit einigen Jahren eine präzise Einschätzung, welches Einkommen man im Ruhestand zu erwarten hat bzw. wie hoch eine allfällige Pensionslücke sein wird. Es sollte daher sorgfältig studiert werden.

Laut dem türkis-grünen Regierungsprogramm soll die private Altersvorsorge künftig gefördert werden. Überlegt wird u. a. eine Wiedereinführung der Spekulationsfrist für Wertpapiere. Gedacht ist auch an einen Generalpensionskassen-Vertrag, der es ermöglicht, dass auch Ansprüche aus der Abfertigung neu in eine lebenslange Rente umgewandelt werden können. Wichtig wäre auch eine private Pflegeversicherung, die Zahl der abgeschlossenen Verträge ist in Österreich aber noch sehr gering.

Finanzkompetenz – Fachleute sprechen dabei von Financial Literacy – befähigt Menschen zum adäquaten Umgang mit Geld, sie ermöglicht bessere Entscheidungen bei Konsum- und Investitionsentscheidungen sowie bei Veranlagungen und der Aufnahme von Krediten. Finanzwissen erleichtert die Lösung finanzieller Probleme und fördert ein tiefergehendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge.

Je besser die finanzielle Allgemeinbildung ist, desto besser sind in der Regel das frei verfügbare Einkommen und auch die persönliche finanzielle Reichweite. Das ist jene Zeitspanne, die sich eine Person bei Wegfall des laufenden Einkommens finanziell über Wasser halten kann.

Personen, die ihr Finanzwissen als ausreichend einschätzen, können besser mit Geld umgehen und treffen ökonomisch sinnvollere Entscheidungen. Sie haben auch eine bessere Motivation, sich mit Finanzangelegenheiten eingehend zu befassen. Damit geraten sie weniger leicht in die Schuldenfalle, eine gute Finanzbildung dient also auch der Schuldenprävention. Kurzgefasst: Seine eigenen Finanzen erfolgreich managen zu können, schafft Unabhängigkeit und Sicherheit.

Frauen haben höheres Risiko

Auch wenn es vielen nicht bewusst ist, gerade Frauen sind auf ein solides Finanzwissen angewiesen und sollten sich selbst um ihre Finanzen kümmern. Sie verdienen im Schnitt weniger als Männer (Gender Pay Gap), arbeiten häufiger Teilzeit und haben oft Unterbrechungen in ihrer Berufslaufbahn. Als Folge davon haben sie deutlich geringere Pensionen (Gender Pension Gap), aber eine längere Lebenserwartung. Auch beim Vermögen schneiden die Frauen deutlich schlechter ab (Gender Wealth Gap). Insgesamt hat die weibliche Hälfte der Bevölkerung also deutlich höhere finanzielle Risken als die männliche.

Was gehört nun alles zur Financial Literacy? Ein gewisses theoretisches Wissen ist unverzichtbar, dazu Problem- und Risikobewusstsein sowie praktische Erfahrung aus dem täglichen Leben. Zusätzlich sollte man sich laufend informieren, also weiterbilden.

Jeder von uns muss gelegentlich fundierte persönliche Finanzentscheidungen treffen. Dafür braucht man zumindest ein solides Basiswissen zu grundlegenden wirtschaftlichen Begriffen wie Inflation, Eigen- und Fremdkapital, Aktien, Fonds und Anleihen, Risikoklassen und Zinsen sowie Zinseszinseffekt. Das Bildungswesen in Österreich – sieht man von kaufmännischen mittleren und höheren Schulen ab – vermittelt den Schülern zu wenig Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge. Doch ein Basiswissen kann und soll man auch später erwerben.