Wörter, die die Jüngeren nicht mehr kennen

Wörter, die die Jüngeren nicht mehr kennen

Last Updated on 2020-08-26

Wenn man auf Lepschi war und ein Tohuwabohu im Kopf hat, ist das doch kein Gschisti-gschasti.

Der Blick des Kollegen war verständnislos. Ob er gestern auf Lepschi gewesen sei, so hatte die Frage gelautet. In seinen Augen war die Frage zu lesen: Wer oder was ist bitteschön ein Lepschi? Es gab offenbar Zeiten, in denen der Begriff wohl noch geläufiger war – ausgehen, sich vergnügen, sich herumtreiben, das steckt hinter der vor allem in Ostösterreich geläufigen Redewendung, wenn man auf Lepschi geht. Etymologisch steckt dahinter das tschechische Wort lepší, der Komparativ des Adjektivs dobrý. Letzteres steht bekanntlich für gut, die Steigerungsform bedeutet also besser. Auf Lepschi gehen ist also ursprünglich quasi ein Begriff dafür, dass man es sich besser gehen lässt.

Möglicherweise tschechische Wurzeln hat auch der schöne Begriff Gschisti-gschasti. Dessen Bedeutung spannt sich von Unsinn über viel Wirbel bis zu unnötigem Aufwand. Hier kursiert die Variante, dass sich dahinter cisté-saski verbirgt, was auf Tschechisch so viel wie purer Unsinn bedeutet. Allein, ob da nicht viel eher eine spielerische Abwandlung von Geschiss dahintersteckt, eine Ableitung vom Scheißen, die umgangssprachlich auch für übertriebene Aufregung steht. Wie auch immer, im Lexikon der Jugendsprache wird Gschisti-gschasti wohl eher keinen Niederschlag finden.

So wie wohl auch Tohuwabohu nicht – kann sich eigentlich noch jemand an die gleichnamige Fernsehserie aus den Neunzigern erinnern? Der Begriff selbst kommt, wie so vieles im Wienerischen, aus dem Hebräischen – gleich im ersten Buch Mose findet er sich: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war ,tohu wa-bohu‘“, also quasi wüst und leer. Allerdings hat sich die Bedeutung gewandelt, heute versteht man darunter vor allem ein heilloses Durcheinander. Eines, das man auch aus dem eigenen Kopf kennt, wenn man am Vortag auf Lepschi war. So, kennt sich jetzt jeder aus?

Quelle: diePresse.com vom 24. August 2020, Erich Kocina