Zeit für eine Erbschaftssteuer in Österreich? Sechs Aspekte zur Debatte

Zeit für eine Erbschaftssteuer in Österreich? Sechs Aspekte zur Debatte

Last Updated on 2019-08-30

Lange war es leise gewesen, doch im Wahlkampf hat die SPÖ ihre Forderung nach der Einführung einer Erbschaftssteuer reaktiviert. Wer wäre betroffen, wo liegen Vor- und Nachteile?

Die Fronten waren rasch abgesteckt. Nachdem die SPÖ am Dienstag im Wahlkampf lautstark ihre alte Forderung nach der Einführung einer Erbschaftssteuer erneuert hatte, waren am Mittwoch gleich Industriellenvereinigung (IV) und FPÖ ausgerückt, um den Vorschlag abzulehnen.

Die IV sprach davon, dass der SPÖ-Vorschlag Arbeitsplätze gefährde, weil ja auch Unternehmen zur Kasse gebeten werden sollen. Die FPÖ argumentierte, dass Vermögenssteuern sinnlos wären, weil Reiche ihr Geld sowieso ins Ausland bringen. Anbei ein kleiner Reiseführer, um sich in der Debatte zurechtzufinden.

1. Der Vorschlag erklärt

Der SPÖ-Vorschlag sieht einen “Lebensfreibetrag” von einer Million Euro vor. Erbschaften, und um Umgehungen zu verhindern auch Schenkungen über 10.000 Euro, würden eingerechnet werden. Ist die Freigrenze überschritten, greift die Erbschaftssteuer. Der Steuertarif soll zunächst 25 Prozent für Vermögen bis zu fünf Millionen Euro betragen und steigt auf bis zu 35 Prozent für Vermögen über zehn Millionen Euro.

Ein Beispiel: Frau X erbt 1,2 Millionen Euro von ihrem Vater Y. Sie müsste 50.000 Euro Steuern an den Staat zahlen.

Ein häufiger Einwand lautet, dass dieses Geld bereits versteuert wurde – Y zahlte sein Leben lang brav Einkommenssteuer. Das ist prinzipiell richtig, aber das ist kein Einzelfall. Einfachstes Beispiel: die Umsatzsteuer. Wenn Herr Y im Supermarkt Tomaten gekauft hat, erwarb er diese auch mit versteuertem Einkommen. Außerdem: Die Steuerpflicht trifft die Erben, nicht die Erblasser.

Quelle / ganzer Bericht: derStandard.at vom 29. August 2019, András Szigetvari, Leopold Stefan